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Für Sie gelesen:
Die innere Ruhe kann mich mal
Meditation radikal anders
Autor: Fabrice Midal
Verlag: dtv premium
192 Seiten, Deutsche Erstausgabe, Auflage 2018
ISBN: 978-3-423-26184-5

 

FabriceMidal

Ach, dieses Buch hat MICH gefunden! Ich, der ich doch irgendwie immer unter Strom stehe, und wenn jemand von innerer Ruhe spricht, genau im Gegenteil lande.

Autor Fabrice Midal spricht mir also dermaßen aus dem Herzen, wenn er gleich auf den ersten Seiten von „Wir sind Opfer eines hektischen Aktivismus, der uns blind macht für die Wirklichkeit“ bzw. wie folgt schreibt: „Flüchten Sie sich nicht auf die Gipfel der Berge oder in die Tiefen irgendwelcher Höhlen, um einmal gründlich in sich zu gehen. Bleiben Sie hier und stellen Sie die Maschinerie Ihrer Gedanken ab. Lassen Sie sich in Frieden!“

Und es sollte noch besser werden: „…ich will dabei weder Weisheit entwickeln noch innere Ruhe oder Geduld“. Wow, das gefällt mir! Ich bin infiziert, wie wohl viele tausende Leser in mittlerweile 10 Ländern ebenso, in denen dieser Buchtitel vom in Frankreich zu den einflussreichsten Meditationslehrern zählenden Autor bereits erschienen ist.

Nach der Einführung beginnt jedes seiner 15 Kapitel mit dem Teilsatz: „Hören sie auf zu …“ um im zweiten Teil des Satzes die Veränderung gleich mit zu erläutern. Also:

Hören Sie auf zu meditieren / Tun Sie nichts
Hören Sie auf, passiv zu sein / Lernen Sie zu warten
Hören Sie auf, perfekt sein zu wollen / Akzeptieren Sie Ihre Tiefs
Hören Sie auf, sich zu schämen / Zeigen Sie sich verwundbar
Hören Sie auf, sich zu quälen / Werden Sie Ihr bester Freund

Mit diesen gut gewählten Kapitelüberschriften steigt das Interesse, ja die Lust, immer weiter zu lesen. Denn ist es nicht schön, wenn mal jemand sagt: Hör auf damit, mach es für DICH besser und erfülle nicht die Erwartungshaltungen der anderen?! Anhand von Beispielen erläutert Midal seine Denkweise, die der Leser übernehmen kann, aber nie muss.

Starre Meditationsregeln, so Fabrice Midal, führen häufig zu Frust und einem Gefühl des Misserfolgs. Dabei ist unser Alltag bereits geprägt von Anforderungen, Stress, Erfolgsdruck und häufig auch von dem Gefühl, nicht perfekt oder gut genug zu sein. Daher fordert der Autor dazu auf, uns bei der Meditation von jeglichem Anspruch an uns selbst zu lösen. Es geht ihm um eine Lebenshaltung, die sich starren Regeln, Konformismus, von außen auferlegten Forderungen und Zwängen widersetzt – auch bei der Meditation.

Mich spricht diese Art der Herangehensweise direkt an. Aber nein, ich habe auch nach der Lektüre des Buches nicht sofort begonnen zu meditieren, jedoch ist es ein schöner Gedanke, dass ich es könnte, wenn ich es denn wollte, und zwar nach meinen ganz persönlichen Regeln. Vielleicht lasse ich mich „einfach mal in Frieden“, wenn ich beim nächsten Mal morgen auf der Terrasse stehe, mit meinem Kaffeebecher in der Hand und den Tag gelassen im Schlafanzug begrüße. Denn dann höre ich auf, mich zu rationalisieren, im Gegenteil, ich lasse los.