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Für Sie gelesen:
Endstation Altenheim
Alltag und Missstände in der deutschen Pflege
Autorin: Anette Dowideit
388 Seiten
Redline Verlag
ISBN-13: 978-3868813449

EndstationAltenheim

Der plakativ und gut gewählte Titel suggeriert ein schweres Thema, das man eigentlich lieber zur Seite schieben möchte, anstatt sich mit ihm auf 388 Seiten zu beschäftigen. Sind die ersten Seiten jedoch gelesen, stellt man anerkennend fest, dass die Autorin ihre flüssige Schreibe dazu nutzt, verständlich die unterschiedlichsten Missstände aufzuzeigen, dabei Hintergründe zu erläutern und gleichzeitig zum Nachdenken anzuregen versucht.

Einerseits wird klar, dass sich jeder persönlich um seine Pflege wird kümmern müssen, ganz gleich, ob zuhause oder im Pflegeheim. Andererseits sind aber auch Politik, Kranken- und Pflegekassen sowie alle Betreiber und deren Kontrolleure gefragt, sich der Thematik menschenwürdig zu nähern und ebensolche Entscheidungen zu treffen.

Alles lapidar nur immer auf dem Rücken des Altenpflegers auszutragen, ist keine Lösung für die Zukunft. Die fehlende Anerkennung des Berufs und die schlechten Arbeitsbedingungen nebst Gehalt kommen hier erschwerend noch hinzu. Wenn darüber hinaus „ins Bett pflegen“ und mit Medikamenten ruhig stellen das ausgewiesene Ziel ist, um schnellstmöglich mehr Einnahmen durch eine höhere Pflegestufe zu erreichen, ist Transparenz zwingend notwendig. Leider derzeit ein frommer Wunschtraum. Denn immer wieder kochen menschliche Tragödien durch Skandale in der Presse hoch, richtige und wichtige Veränderungen sind jedoch Fehlanzeige. Richtig skandalös wird es, wenn Kontrolleure und Anbieter gemeinsame Sache machen können oder Kontrollen schönzeichnen statt Missstände wirklich aufzuzeigen. Dies scheint durch ausgeklügelte Systeme sowieso nicht gewollt. Doch wo soll es hinführen, wenn Senioren Rohstoff für die Pflegeindustrie sind und die Gewinnmaximierung von Konzernen mehr im Fokus steht als der Mensch selbst?!

Dieses mutige Buch öffnet dem aufmerksamen Leser die Augen und schärft den Blick in eine Zukunft, die man besser nicht erleben möchte. Daher liegt es an uns allen, Änderungen zu erwirken.