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Für Sie gelesen:
Die verratene Generation
Was wir den Frauen in der Lebensmitte zumuten

Autoren: Christina Bylow und Kristina Vaillant
Verlag: Pattloch Verlag
Ausgabe 2014
256 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-629-13048-8

VerrateneGeneration

Mit der verlagsseitigen Ergänzung „Sie haben alles gegeben und bekommen nichts zurück“ ist die Richtung des Buches klar.

Für das Buch wurde aus zahlreichen Perspektiven die Situation der Frauen der Babyboomergeneration beleuchtet und von den Autorinnen recherchiert, dokumentiert und erläutert. Viele Frauen der Geburtenjahrgänge 1955 bis 1970 mussten trotz bester Ausbildung und Engagement sowohl im Beruf wie in der Gesellschaft viel Negatives erleben und über sich ergehen lassen. Gleichberechtigung auf dem Papier, aber nicht die gleichen Rechte und Chancen wie die Männer zu haben, ist dabei ein wichtiger Fakt. Auszug Seite 56: „Frauen dieser Generation mussten in Deutschland in fast allen Bereichen des Lebens große Widerstände überwinden, wenn sie nicht leben wollten wir ihre Mütter.“

Spätestens beim ersten Kind war für viele Vollzeit berufstätige Frauen das Ende der Berufstätigkeit erreicht. So fehlte es an weiblichen Vorbildern, die vorlebten, wie Job und Kind miteinander vereinbart werden können. Wer trotzdem weiter arbeitete, musste gut organisiert sein, galt jedoch als Rabenmutter und wurde entsprechend von der Gesellschaft, männlich wie weiblich, beschimpft. Das Ernährer-Modell beruhte auf der klaren Rollenverteilung in der Ehe, zudem bevorzugt behandelt durch die Steuerklassenwahl und die Steuererleichterungen in Steuerklasse III. Auszug Seite 132: „Die zynische und irreführende Aufwertung der Hausfrau und Mutter wurde in keinem anderen Land Europas so weit getrieben wie in Deutschland!“

Oftmals half dann irgendwann ein Minijob, zwar Geld in die Familienkasse, jedoch nicht in die Rentenkasse der Frauen zu spülen. Damit nicht genug: Wer die Kinder endlich groß hat, findet schwer einen gut bezahlten Job oder muss heute für die Pflege von Eltern oder Schwiegereltern herhalten. Die unbezahlte Familienarbeit hängt nachweislich nach wie vor größtenteils an den Frauen. Das Ergebnis ist ernüchternd und erschreckend zugleich – viele Frauen werden rententechnisch in der Altersarmut landen, da sie von ihren Rentenansprüchen nicht werden leben können. Denn auch die Rente in Deutschland ist ausgerichtet auf den männlichen Eckrentner.

Das lesenswerte Buch deckt auf und gibt Erklärungen und Antworten auf Fragen, die sich viele Frauen dieser Generation sicherlich schon mehrfach gestellt haben. Wer diese Ungerechtigkeiten und Ungleichbehandlungen selbst erlebt hat, wird mehr als einmal kopfnickend weiterlesen.

Leider werden im Buch aber auch vorhandene Klischees bedient, wie beispielsweise der Mann, der die Ehefrau für eine Jüngere verlässt und die Frau mit den Kindern sitzen lässt. Diese Einseitigkeit entspricht jedoch schon lange nicht mehr der Realität. Hier vermisst man den wichtigen Hinweis, dass heute durchaus viele Frauen dieser Generation aus den Ehen ebenso mutwillig mit Affären ausbrechen und so selbstverantwortlich für ihr Dilemma bei Rente und Versorgung sowie der Kinderbetreuung durch das noch immer empfohlene und akzeptierte Residenzmodell sorgen. Dabei gibt es inzwischen Wege, wie beispielsweise das in anderen Ländern bereits intensiver praktizierte Wechselmodell, das beiden Elternteilen die Gelegenheit der Berufstätigkeit und der Kinderbetreuung ermöglicht.

Das Buch darf zudem nicht als Absolutionsinstrument für all die Frauen gelten, die sowieso nach dem ersten Kind nicht mehr im Beruf arbeiten wollten und die es sich in der eheorganisierten Hängematte, gesellschaftlich anerkannt, bequem gemacht haben.