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DanzigInnenstadt

Reisereportage Polen (Mai/Juni 2014)

Leben und Pflege in Polen – eine Alternative für deutschsprachige Senioren?

Ist das Projekt „Pflegetourismus nach Polen“ wirklich Realität – oder eher Fiktion einiger Anbieter und der Boulevardpresse? In einigen Medien wurde über Seniorenexporte nach Osteuropa und dabei auch nach Polen berichtet. Angeblich seien es tausende Deutsche, die allein in Polen ihren Ruhestand verbringen.

LEBENSDOMIZILE WELTWEIT nahm dies zum Anlass, weit über die üblichen, stets in der TV- und Lifestylemagazin-Berichterstattung hochgelobten Häuser hinaus zu recherchieren, um gezielt anhand dieser Ergebnisse und Angebote die Wege in Nord und Süd durch das Nachbarland Polen persönlich nachzufahren.

Im Fokus dieser Reportage stehen überwiegend Seniorenresidenzen und betreutes Wohnen, ein paar Einblicke in die Thematik Kur sind begleitend eingeflochten.

LWontour  StrandSwinemuende  SonnenuntergangKolberg

Lebensdomizile weltweit on tour // Ostseestrand in Swinemünde // Abendstimmung in Kolberg

Diesmal ein Fazit vorab:

Nur wenige Deutsche leben wirklich in Polens Seniorenresidenzen, wenngleich es zahlreiche seriöse, aber leider auch einige unseriöse Angebote gibt. Entgegen verschiedener Berichte existiert der so negativ beschriebene „Seniorenexport“ nach Polen aus unserer Sicht nicht. Ob Residenzen an der Ostsee oder in Schlesien, polnische Residenzen beherbergen polnische Senioren bzw. Menschen mit polnischen Wurzeln. Manch einer beherrscht aus Kindheit und Jugend noch die deutsche Sprache.

Einige Residenzbetreiber wissen jedoch genau, was zu tun ist und würden dies auch gerne für deutsche Kundschaft tun. Richtig, nachvollziehbar und dokumentierbar ist darüber hinaus, dass die Unterbringungskosten günstiger sind als in Deutschland. Und doch, die Deutschen lassen trotzdem auf sich warten!

Es zeichnet sich in den Gesprächen ab, dass dubiose Geschäftemacher sowie unseriöse Anbieter und Vermittler diese negativen Auswirkungen und Meinungen verstärkt haben. Es gilt für die seriösen Anbieter daher, Vertrauen aufzubauen. Denn manche Art der Geschäftemacherei ist auch unseren polnischen Gesprächspartnern suspekt. Was zur Folge hat, dass selbst wir mit LEBENSDOMIZILE WELTWEIT bereits in der Kontakt- und Terminvereinbarungsphase für unser Pressegespräch explizit erklären mussten, wer wir genau sind und warum und mit welchem Hintergrund wir ein Interview führen möchten.

So zeichnet sich also ein zweigeteiltes Bild der Lage, das erneut beweist, wie wichtig und richtig es ist, nach der Recherche am heimischen Schreibtisch, wirklich ins Land zu fahren, Gespräche zu führen und sich ein eigenes Bild zu machen!

 

AlleeOstseekueste  KarpaczTal  KrakauEntfernungen

Typische Allee in Küstennähe // Talblick bei Karpacz // Entfernungstafeln in Krakau

 

 

Inhaltsverzeichnis

Seniorenresidenz Jantar, Swinemünde 


Finezja Residenz, Pustkowo / Ostsee


Dom Seniora w Palacu, Jastrzebia Gora / Ostsee


Dom Zielone Wzgorze, Falkow


Erfahrungen vorab und vor Ort

Niederschlesien / Riesengebirge für Senioren

Jelenia Struga Medical SPA / Kowary

Kur in Jelenia Gora

Seniorenresidenz AS, Karpacz / Riesengebirge

Fazit

DanzigTreppen  VerehrungPapstJohannesPaul  KrakauWeichsel

Impression Innenstadt Danzig // Papst-Verehrung allerorten // Weichsel-Blick nach Krakau


Seniorenresidenz Jantar, Swinemünde

Die Nähe zu Deutschland und die zentrale Lage überzeugen. Nur 400 Meter bis zur belebten Promenade und zur Ostsee. Kurze Wege zu Shops und Läden. Ob betreuter Urlaub, Probewohnen, Langzeitaufenthalt oder als fester Wohnsitz - die 40 Zimmer der Seniorenresidenz Jantar in Swinemünde an der Ostsee können für Jeden ein Zuhause werden! Die freiberufliche Residenzberaterin Zaneta Krüger empfängt uns bei strahlendem Sonnenschein und ist gerne für ein Interview bereit. Seit 2011 betreut sie die Residenz in Akquise und Marketing und berät deutschsprachige Gäste bei Interesse. Anfragen hat sie fast täglich, doch schlussendlich bleibt es meistens beim Angebot, weiß Zaneta zu berichten. Drei Deutsche waren zwischenzeitlich in Swinemünde. Der Vorteil: Die Gäste zahlen monatlich einen Festbetrag, derzeit rund 1.200 Euro; im Einzelzimmer bis zu 1.700 Euro. Es wird nicht nach Pflegestufen unterschieden, Essen aus der eigenen Küche und die Physiotherapie sind im Preis inbegriffen. Die Einzel- und Zweibett-Zimmer sind möbliert, eigene Möbel können beim Einzug mitgebracht werden. Das Krankenschwesterzimmer ist im Haus.

„Die Entwicklung braucht noch Zeit“ ist Zaneta überzeugt und ergänzt optimistisch: „Aber es wird!“ Unsere Gesprächspartnerin weiß genau, von was sie spricht. Selbst jahrelang im Tourismus tätig, kennt sie auch aufgrund ihrer Ehe mit einem Deutschen die Mentalitätsunterschiede und -gemeinsamkeiten beider Nationen. Eine direkte Kostenabrechnung der polnischen mit der deutschen Krankenkasse ist mittlerweile möglich und erleichtert vieles. Das Krankenhaus im deutschen Greifswald ist nahe und birgt doppelte Vorteile für die Residenz: zum einen deutschsprachiges Personal, zum anderen kurze Wege.

 

JantarAussen  ZanetaKrueger  JantarBad

Seniorenresidenz Jantar Swinemünde // Beraterin Zaneta Krüger // Barrierefreies Bad

 

Oftmals gibt es bei älteren Menschen noch Vorurteile gegenüber dem Land Polen. Jedoch, viele Gespräche führt sie heute bereits mit Söhnen, Töchtern oder sogar Enkelkindern. Auch hier spielen die Nähe zu Deutschland und die Infrastruktur Swinemündes eine Rolle. Sie führt das grundsätzliche Interesse zudem darauf zurück, dass in Deutschland die Herzlichkeit und das Menschliche fehlen, selbst wenn alles neu, funktional eingerichtet und organisiert ist.

Beim anschließenden gemeinsamen Spaziergang über die Promenade bis hin zur Küste in Swinemünde laden auch uns die Bänke, der helle Sand des Ostseestrands sowie die zahlreichen Imbiss- und Verkaufsstände zum Verweilen ein. Eine deutsche Seniorin aus Baden-Baden erzählt uns völlig begeistert, wie toll man hier Urlaub machen kann – und zu welch sensationell günstigen Preisen bei hervorragendem Essen. Lachend verabschieden wir uns von der Urlauberin und auch von Zaneta, verbunden mit einem Dankeschön für die offenen Worte und den gewährten Einblick. Im Anschluss wartet das zweite von Zaneta Krüger betreute Haus, diesmal in Pustkowo auf uns. 

Finezja Residenz, Pustkowo / Ostsee

Wer die Ruhe sucht, ist hier richtig. Das derzeitig als Kurhotel geführte Haus Finezja wird im Winter zur Residenz, die Senioren günstige Möglichkeiten des Langzeitaufenthaltes bietet. Nur 100 Meter von der Ostsee entfernt sind lange Spaziergänge und Erholung garantiert. Schön angelegt und mit lauschigen Plätzchen empfängt uns der Garten. Natalia führt uns durchs Haus, sie spricht ebenfalls deutsch. Der Speisesaal ist hell und freundlich und bei unserem Besuch bereits fürs Abendessen eingedeckt. Die Pensionsgäste kommen aus Deutschland, viele Busgruppen buchen das Haus mit Kosmetik, Massagen und Fango-Angeboten.

Die Apartments sind großzügig und zweckmäßig, sieben deutschsprachige TV-Kanäle werden empfangen. Im Foyer befinden sich eine kleine Bar und die Rezeption – einmal wöchentlich findet ein Tanzabend statt. Betreuerinnen oder Pflegepersonal gibt es hier (noch) nicht. Man will ausprobieren, ob sich das Kurhotel vom reinen Sommer-Saisonbetrieb in einen Ganzjahres-Betrieb für Betreutes Wohnen umwandeln lässt. Die Preise stehen schon fest: Im Monatspreis von 1.200 Euro/Person ist das Apartment, Vollpension, Reinigung, vier Massagen, zwei weitere Behandlungen sowie der Tanzabend inkludiert. Die ersten Langzeitgäste haben für den Herbst bereits gebucht.

 

FinezjaGarten  FinezjaSpeisesaal  FinezjaApartment

Finezja Residenz Pustkowo: Gepflegte Gartenanlage // Speisesaal // Großflächige Zimmer

Dom Seniora w Palacu, Jastrzebia Gora / Ostsee

Die sehr familiär geführte Seniorenresidenz Dom Seniora w Palacu liegt an der polnischen Ostsee, rund siebzig Kilometer nördlich von Danzig. Wer die Anfahrt aus Kolberg entlang der Ostsee wählt, wird mit kleinen Straßen und Alleen belohnt, sollte aber viel Zeit einplanen.

Vor einigen Jahren sanierten die Inhaber Marek und Mariola Millak die getreue Nachbildung eines Palastes aus dem 19. Jh. liebevoll. Vor drei Jahren bauten sie die Villa seniorengerecht um und führen seitdem eine Seniorenresidenz mit viel Herz und persönlichem Engagement. Die 19 Zimmer sind gemütlich eingerichtet: Soviel Funktionalität wie nötig, soviel Gemütlichkeit und Wohlfühlatmosphäre wie möglich! Der neue Fahrstuhl verbindet Menschen und Etagen, die Tür öffnet sogar automatisch. Marek Millak und seine Ehefrau empfangen uns herzlich in ihrem Domizil und geben uns ein Interview in fast perfektem Deutsch. Wir sind angenehm überrascht. Einige der polnischen Bewohner haben nur polnische Wurzeln und kommen nun entweder zum Urlaub oder für immer in ihr Haus.

Beim Rundgang lernen wir Jurek kennen. 83 Jahre jung, wohnt er seit dem Tod seiner Ehefrau vor sieben Jahren nun seit einem Jahr hier. Agil und pfiffig ist er noch, spricht ebenfalls deutsch und hilft im Garten – jedoch nur wenn er Lust hat, gibt er augenzwinkernd zu! Für ihn war die Entscheidung richtig, hier eingezogen zu sein. Denn einerseits ist er noch fit genug, um Ausflüge mit seinem Auto zu machen, andererseits weiß er die Gesellschaft, die familiäre Atmosphäre und die Unterstützung sehr zu schätzen.

Marek und Mariola sprechen sehr einfühlsam und respektvoll von ihren Bewohnern. Die Einrichtung erinnert bewusst an frühere Zeiten. Schließlich ist es ein Umzug ins letzte Leben, gibt uns Mariola zu denken. Recht hat sie!

Wir reden über gesetzliche Vorgaben und erfahren, dass es leider viele illegale Seniorenheime in Polen gibt. Dort werden die Menschen eher aufbewahrt als betreut - und keiner kontrolliert es. Um dies eigentlich auszuschließen, ist in Polen eine Registrierung und Zulassung vorgeschrieben, die u.a. neben der behördlichen Administration auch den Aushang mit einem Schild vor dem Haus beinhaltet – die Residenz Dom Seniora w Palacu hat Nummer 26. Und allein die Küche wird monatlich vom Gesundheitsamt kontrolliert.

 

PalacuAussenaufnahme  PalacuMarekMillak  PalacuZimmer

Seniorenresidenz Palacu: Aussenansicht // Betreiber Marek Millak // Heimeliges Zimmer

 

Natürlich leiten wir das Gespräch auf die Thematik „deutsche Bewohner“. Einerseits hat die Residenz eine deutschsprachige Website, andererseits keinen einzigen deutschen Gast. Woran es liegt, möchten wir wissen. Die Gründe sind differenziert. Das Ehepaar lebt seine Werte und Prinzipien. Daher haben sie auch hier konkrete Vorstellungen, welche Angebote und Betreuungsleistungen sie für zukünftige deutsche Gäste anbieten möchten. Sprachkenntnisse müssen aus ihrer Sicht nicht nur bei der Leitung, sondern dann selbstverständlich auch beim Pflegepersonal vorhanden sein, was kurzfristig zu bewerkstelligen ist. Zudem wäre es hilfreich, wenn zeitgleich eine Gruppe von vier bis fünf Personen einzieht, damit keiner vereinsamt. So können gemeinsame Aktivitäten noch besser organisiert und durchgeführt werden.

Zehn Zimmer sind während unseres Besuchs noch frei – also warum nicht mal ausprobieren für einen Langzeiturlaub? Gut aufgehoben, das spüren wir, ist man hier bei den Millaks auf jeden Fall. Und ab 2015, verrät uns Marek beim Verabschieden, gibt es im dritten Stock einen Neubau mit Apartments für Selbstversorger!

 

WohnmobilistentippGaleriaPepowo  DanzigBogenInnenstadt  DanzigSchiffsanleger

VW-Museum Galeria Pepowo // Danzigs Prachtstrasse ul. Dluga // Motlawa Giebelhäuser 

Dom Zielone Wzgorze, Falkow

Unsere Fahrt führt nun quer durchs Land, über Danzig an Lodz vorbei nach Süden. Die Seniorenresidenz "Grüner Hügel" hält, was der Name verspricht. Idyllisch an einem kleinen See gelegen, genießen die Bewohner hier absolute Ruhe und Betreuung. Direktor Leszek Bednarski führt das 19-Zimmer-Haus, das seit knapp drei Jahren geöffnet ist. Der Neubau passt architektonisch hervorragend in die Landschaft, bei der Inneneinrichtung hat man gleichzeitig Funktionalität und die Ansprüche der älteren Bewohner an Wohnlichkeit berücksichtigt. So verleihen echte Antiquitäten den Aufenthaltsräumen eine heimelige Atmosphäre. Bei schlechtem Wetter ist der Plausch mit Blick ins Grüne ebenso möglich. Draußen lädt eine überdachte Sitzecke im Park zum Verweilen ein, der Fitnessraum im Keller steht allen Bewohnern ebenfalls zur Verfügung. Das Haus ist innen und außen kameraüberwacht, bei Bedarf können zur Sicherheit auch die Gästezimmer überwacht werden.

Einige Zimmer sind noch frei, maximal 43 Bewohner finden hier ihr neues Zuhause. Eine von ihnen ist die 86jährige Barbara. Geboren in Hamburg, aufgewachsen in Polen, lebte sie mit ihrem Ehemann über zwanzig Jahre in New Jersey/USA. Doch als er starb, ging sie wieder zurück in ihre Heimat Polen. Die rüstige Dame spricht englisch mit uns. Sie liebt die schöne Aussicht auf den direkt vor dem Haus liegenden See. Geradezu begeistert zeigt sie uns das kombinierte Gerät für TV und Internet in ihrem Zimmer. Ja, sie fühlt sich sichtlich wohl und das Essen ist gut, betont sie.

Wir genießen die polnische Gastfreundschaft und sind zum Frühstück eingeladen. Leszek Bednarski hat Danuta zu unserem Gespräch gebeten, sie ist Deutschlehrerin und übersetzt. Die perfekte deutschsprachige Website hat man fürs Marketing erstellen lassen, deutsche Bewohner oder Pflegepersonal gibt es auch hier noch nicht. Wir sprechen offen. Vergleichbar der vorherigen Gespräche sieht auch Leszek Chancen darin, sein Haus für Deutsche zu öffnen, teilweise hat sein Pflegepersonal bereits in Deutschland gearbeitet. Allerdings, so erfahren wir, sind die Löhne in Polen nicht vergleichbar derer im Nachbarland. Arbeitet also eine polnische Pflegekraft nur wenige Monate im deutschen Lohngefüge, müsste sie zwei bis dreimal so lange in Polen für das gleiche Nettogehalt arbeiten. Daher kommt der rege Pflegekraft-Austausch zustande. Sicherlich ist ein wesentliches Argument, dass die Pflegekraft vor Ort bei ihrer Familie bleiben kann. Daher hat Leszek auch schon feste Zusagen. Aber ein Rechenbeispiel bleibt es trotzdem.

 

GruenerHuegelAussenaufnahme  GruenerHuegelDirektor  GruenerHuegelPlausch

Residenz Grüner Hügel: Aussenansicht // Leszek Bednarski // Plausch-Ecke mit Ausblick

Aktive Senioren hätte der Direktor gerne, die sich je nach Jahreszeit wunderbar mit Wandern oder Gartenarbeit beschäftigen können, wenn sie wollen. Neben der großzügigen Gartenanlage rund ums Haus, gibt es einen halben Hektar Obstgarten und einen eigenen Weinberg. Von deutschen Krankenkassen ist sein Haus bereits geprüft, drei in Deutschland lebende und versicherte polnische Bewohner lebten vor einiger Zeit eine Weile hier. Probewohnen ist möglich, auch Demenz und Alzheimer-Patienten können gepflegt werden. Der Pflegeschlüssel wird dann nach Bedarf angepasst. Ein deutschsprachiger Arzt ist erreichbar.

Wir bedanken uns herzlich für das sehr offene und interessante Gespräch und sichern auch Leszek und seiner Crew gerne unsere Marketingunterstützung in Deutschland zu.

Erfahrungen vorab und vor Ort

Im Vorfeld unserer Recherchen für ein Land schreiben wir potenzielle Gesprächspartner an und bitten um einen Interviewtermin, zeitlich passend eingetaktet entlang unserer Reiseroute. Manchmal machen wir auch einfach einen Abstecher zu recherchierten Zielen, um vor Ort noch einen Termin zu vereinbaren. Unsere Erlebnisse und Erfahrungen sind in nahezu allen Fällen ein herzliches Willkommen mit anschließendem stundenlangen Gespräch und Freude über unser Interesse. Für die Reisen und Veröffentlichungen in unseren Reportagen übernehmen wir als LEBENSDOMIZILE WELTWEIT die Kosten, die Berichterstattung ist also gratis – aber nie umsonst!

Die Polen-Recherche verlief daher ähnlich. Nur mit dem Unterschied, dass wir beispielsweise einen zugesagten Termin (unter der Maßgabe, dass der Beitrag für sie kostenfrei sei, was wir bestätigen konnten!) kurzfristig wieder abgesagt bekamen. So geschehen bei der neuerbauten Seniorenresidenz der Diakonie Neuendettelsau in Kattowice. Erst im Frühjahr 2014 eröffnet, macht die Residenz in ihrer Pressemitteilung ganz klar deutlich, dass sie nur Bewohner aus Polen bzw. Menschen mit nachweislich polnischen Wurzeln aufnehmen wird. So heißt es offiziell von Rektor Schoenauer weiter: „Wir wollen den Pflege-Tourismus von Deutschen, die nur ihre Angehörigen aus Kostengründen ins Ausland abschieben wollen, nicht unterstützen!“ Das weckte natürlich unser Interesse, da diese Aussage zu unserer Thematik passt. Sind doch gerade wir in jeglicher Richtung auf der Suche nach Antworten. Wichtig wäre für uns und unsere Leser gewesen, welche Hintergründe und Erfahrungen gerade zu dieser Haltung geführt haben. 

Eine Absage erhielten wir auch von der Seniorenresidenz an der Oder in Zabelkow. Man möchte jegliche Assoziierung mit Häusern, die niemandem zugemutet werden können, vermeiden, so die Antwort. Wie jedoch unsere Recherchen ergaben, wird diese Einstellung nicht stringent aufrechterhalten.  

Wer uns und unsere Arbeit kennt, weiß, dass wir uns genau deshalb nicht auf die reine Internetrecherche, auf Presseinformationen oder Hochglanzfotos verlassen, sondern gezielt in die Länder fahren, um uns einen persönlichen Eindruck und ein authentisches Bild zu machen. Viele unserer Gesprächspartner in den vergangenen Monaten und Jahren honorieren mit sehr offenen Interviews unser Engagement für die Sache. Sie sehen gerade hierin die Chance, sich, ihre Idee und ihre Domizile darzustellen und zu zeigen, welche wahren Werte gelebt werden. Ergänzende Gespräche mit Bewohnern bereichern zudem unsere Reportagen.

Unsere Erkenntnisse diesmal: Gerade im Süden Polens scheinen einige Betreiber gerne ein Stück vom deutschen Pflegekuchen haben zu wollen, was grundsätzlich verständlich ist. Jedoch, die deutschsprachigen Websites suggerieren Außenstehenden eine heile Welt mit Pflege und deutschsprachigem Personal, die Realität sieht allerdings ganz anders aus: so erlebt in Czyzowice in der Seniorenresidenz Czyzyk; in Piastowgrod  im Seniorenheim Piastow Grod und im Dom Seniora Grzes in Karpacz. Selbst die im Web noch präsente Pension Ania in Osiecznica ist seit zwei Jahren geschlossen, wie wir vor Ort erfahren. Nach diesen Feststellungen möchten wir daher unsere Leser sensibilisieren, bei der Wahl einer Residenz, ganz gleich ob in Polen, Spanien, Thailand oder sonst wo auf der Welt, sich vor der finalen Buchung auch wirklich vor Ort persönlich kundig zu machen oder einige Wochen Probe zu wohnen. Als Hilfestellung dienen sicherlich unsere ausführlichen Reportagen, Erlebnisse und die Gespräche, die selbstverständlich ebenso Momentaufnahmen sind. Selbstredend führen wir nach Bekanntwerden mangelnder Qualitätsstandards solche Häuser nicht in unserer Rubrik "Lebensdomizile" mit auf beziehungsweise entfernen diese.

 

KarpaczStabkircheWang  Schneekoppe  WesternCity

Attraktionen in und um Karpacz: Stabholzkirche Wang // Schneekoppe // Western-City

 

Niederschlesien / Riesengebirge

Fremdenführer Slawomir Sobieski nimmt uns einen Tag mit durch seine Heimat im Riesengebirge. Er will uns die Vorzüge für Senioren zeigen, die der Nationalpark Riesengebirge und Niederschlesien bieten. Unser Guide kennt sich aus und lässt uns gerne daran teilhaben. Vielfach wird deutsch gesprochen – ebenfalls ein Vorteil für deutschsprachige Senioren!

So lernen wir die liebevoll erbaute Western-Stadt "Western-City" in Karpacz (Krummhübel) mit Saloon und vielen Attraktionen für alt und jung kennen. Sehenswert ist auch die Kirche Wang in Karpacz, eine von zwei norwegischen Stabkirchen außerhalb Norwegens. Berühmt und beeindruckend gleichermaßen gibt sich natürlich die Schneekoppe! Auf jeden Fall sorgen zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Bauwerke für Abwechslung, für Aktive stehen Wanderwege zur Verfügung. Alles bei guter Luft, für Allergiker geeignet.

Begeistert hat uns auch Initiator, Inhaber und kreativer Kopf Marian Piasecki mit seinem vor Jahren initiierten "Park Miniatur" in Kowary (Schmiedeberg). Er denkt und handelt grenzübergreifend, ist offen und tolerant. Mittlerweile zählt er 300.000 Besucher jährlich. Sein zweites Projekt liegt an der Ostsee – der Park der Leuchttürme. Allein am Schloss Fürstenstein (Foto mit Marian Piasecki) arbeiteten elf Modellbauer zwei Jahre lang. Parkführungen sind in sechs Sprachen möglich, im Mai und Juni sind gerne Schulklassen unterwegs. Mehrsprachig ausgeschildert, lehren die nach Originalplänen erbauten Miniaturen Zeitgeschichte und gleichzeitig die Liebe zum Detail.

 

MarianundDackel  MiniaturenParkSchulklassen  ASReisefhrer

Marian Piasecki und Dackel Kaja // Park Miniatur // Fremdenführer Slawomir Sobieski

Jelenia Struga Medical SPA, Kowary

Ob an der Ostsee oder in Niederschlesien, in Deutschland ist eine Kur in Polen aus unterschiedlichen Gründen sehr beliebt. Insbesondere das attraktive Preis-/Leistungsverhältnis zieht zahlreiche Stammgäste an.

Bekannt für den Radonstollen und die Radontherapie ist das 36-Zimmer Kurhotel Jelenia Struga Medical SPA in Kowary (Schmiedeberg), idyllisch im Wald gelegen. Ruhe und Erholung garantiert. Die Zimmer sind überwiegend mit Balkon, auch die große Terrasse gibt den direkten Blick frei in Wald und Natur. Im Stollen findet morgens und nachmittags die jeweils einstündige Radon-Therapie im Liegen statt. Direktorin Sylwia Pagacz sowie die Marketing Manager Ryszard Stock und Marlena Stock führen uns durchs Haus und zeigen uns die Besonderheiten des Stollens. Nach vorheriger Genehmigung und Absprache erstatten auch deutsche Krankenkassen die Therapiekosten. Erst nach sechs bis sieben Anwendungen sind erste Resultate spürbar. Rund zehn Prozent der Gäste kommen aus Deutschland, über 80 % aus Polen. Allein über 65 % Stammgäste verzeichnet das Haus. Auf Nachfrage erfahren wir, dass in diesem Stollen Radonbäder nicht möglich sind.

Zur Erholung werden im SPA-Bereich auch Massagen und Hamam angeboten, auf der Terrasse findet die Morgengymnastik statt. Ein Check-up durch einen deutschsprachigen Arzt wird für Individualgäste wie Gruppen gerne organisiert.

Mehr zum Thema "Kur im Ausland" finden Sie auch in unserem Blog.

 

JeleniaStrugaAussenaufnahme  JeleniaManagement  JeleniaInhalatorium

Jelenia Struga Medical SPA: Aussenaufnahme // Management-Team // Radon-Therapie


Kur in Jelenia Gora

Im ältesten Kurort Polens, Jelenia Gora (Hirschberg), wartet Aleksandra Rozycka auf uns. Sie ist fürs Marketing und auch für die Gästebetreuung der deutschen Kurgäste zuständig. Ob Rheuma, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Osteoporose oder Frauenkrankheiten, Hirschberg ist bekannt und beliebt auch bei deutschen Kurgästen. Über 50% kommen nachweislich aus Deutschland.

Neben der Trinkkur dienen die warmen Quellen als Heizung, selbst die Duschen im Hotel sind mit Quellwasser gespeist. Allein 250 Zimmer warten im Haupthaus auf Kurgäste - während unseres Besuchs ist alles ausgebucht. Mehrere Hotels verteilen sich im Stadtgebiet, ein neues 4-Sterne Haus ist derzeit neben der Kirche im Bau und wird 2015 eröffnet.

Die Kurstadt hat ganzjährig geöffnet, die Hauptsaison ist von April bis Oktober. Kamen früher überwiegend Senioren 70plus, ist der Altersdurchschnitt aufgrund zusätzlicher neuartiger Angebote wie Pilates und Aquafitness in den letzten Jahren gesunken. Die Abrechnung mit der deutschen Krankenkasse funktioniert seit über zehn Jahren, der Aufenthalt dauert mindestens zwei, oftmals drei Wochen. Persönliche Kontakte zur Stammkundschaft sind Aleksandra sehr wichtig. Dass dies ehrlich gemeint ist, erleben wir live während unseres kleinen Rundgangs.

Die Fußgängerzone grenzt direkt an den Kurpark – kurze, ebenerdige Wege garantiert. Bis maximal 15 Uhr finden die Therapien statt, erzählt uns Aleksandra, danach entspannt ein Spaziergang oder einfach das Ausruhen auf der Parkbank. Bekannt ist das Kurbad zudem für spezielle Moorpackungen bei Augenkrankheiten.

 

CiepliceFugaengerzone  AleksandraRozyckaCieplice  CiepliceKurhotel

Hirschberg Innenstadt // Aleksandra Rozycka // Kurhotel

Seniorenresidenz AS, Karpacz

Im Sommer eröffnet die Seniorenresidenz AS in einem 2009 bereits barrierefrei erbauten 3-Sterne Hotel. Wir haben während unserer Polen-Reise die Gelegenheit genutzt, mit dem Vorstandsvorsitzenden Wieslaw Amanowicz über seine Pläne, Ideen und die Zukunft zu sprechen!

Das Haus liegt fußläufig von der Stabkirche Wang entfernt mit sensationellem Blick ins Tal nach Karpacz (Krummhübel). Die Zimmer sind teilweise mit Balkon, immer mit Bad. Kleine Möbel können mitgebracht werden. Im Erdgeschoss befinden sich für die Bewohner der Speisesaal, eine kleine Bar, die Lobby mit Kamin, ein Fitness- und Therapieraum sowie ein Aufenthaltsraum für gemeinsame Aktivitäten. Sicherheit wird groß geschrieben: Bewegungsmelder sorgen für Licht im Flur, ein Aufzug ist vorhanden, die Parkplätze und das eingezäunte Areal sind nachts alarmgesichert.

Wieslaw Amanowicz und sein Team, teilweise deutschsprachig, freuen sich auf die ersten Gäste, die Genehmigung zur Residenz ist nach eigenen Angaben gut vorbereitet. Seit über elf Jahren arbeitet er mit Behinderten, daher wurde das Haus bereits für deren Urlaube barrierefrei erbaut. Sein Entschluss reifte vor knapp 18 Monaten, Veränderungen im polnischen Tourismus waren ausschlaggebend. Im Vorfeld verschaffte er sich in vielen Residenzen, auch in Deutschland, persönlich einen Eindruck über Funktions- und Bauweisen und entwickelte aus allen Erkenntnissen sein eigenes Konzept. Sein Motto: Mein Zuhause - meine Familie! Leben als aktiver Senior!

Das aktive gemeinsame Wohnen und Leben sowie eine Betreuung bis zur Pflegestufe 2 wird er anbieten, ab Pflegestufe 3 muss der Bewohner dann umziehen. Wohin, wird sich klären. Sein Interesse gilt dem betreuten Wohnen und den gemeinsamen Aktivitäten. Geplant sind zukünftig zwei Betreuungspersonen und darüber hinaus auch deutsches TV.
Platz ist für insgesamt 49 Bewohner. Im Preis inbegriffen sind das Zimmer, die Mahlzeiten, Wäschereinigung und teilweise Aktivitäten. Die Preise variieren, ob Einzel- oder Zweibettzimmer, zudem nach Lage und Größe der Zimmer.

Die ersten Marketingaktivitäten Richtung Deutschland sind initiiert, wir wünschen auch diesem Konzept und Herrn Amanowicz viel Erfolg bei der Realisierung!

 

ASSeniorenresidenzAussen  ASInhaberundInitiator  ASLobby

Seniorenresidenz AS in Karpacz: Aussenansicht // Betreiber Wieslaw Amanowicz // Lobby

Fazit

Unsere Erkenntnisse und die erhaltenen Informationen während unserer Reise durchs Nachbarland Polen haben uns selbst überrascht. Entgegen anderslautender Berichte können wir nicht von einem Pflegetourismus sprechen. Es existieren viele gute Ideen, die zukünftig eine echte Alternative zum deutschen, österreichischen oder schweizerischen Pflegeheim darstellen. Dies gilt neben der Betreuung und Pflege insbesondere beim Preis-/Leistungsverhältnis. Ebenso deutlich wird aber auch, von einigen Angeboten sollte man lieber die Finger lassen.

Wir danken unseren Gesprächspartnern in Nord und Süd nochmals ganz herzlich für ihre Zeit und ihre Offenheit, für die vielen Informationen und die Einblicke, die wir nehmen durften und freuen uns sehr, auch mit dieser Reportage unsere Leser wieder umfassend und aus erster Hand informieren zu dürfen!  

 

 

Copyright LEBENSDOMIZILE WELTWEIT

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt! Verwendung aller Inhalte und Fotodaten, auch auszugsweise - und damit die Nutzung für kommerzielle oder redaktionelle Zwecke jedweder Art - nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Urheber.

Erst im Zusammenspiel aller Faktoren, Erlebnisse und Informationen ist es möglich, eine solche Reisereportage fundiert zu erarbeiten und zu veröffentlichen. Mit unserem Wissen zu den Themen Seniorenresidenzen, Wohnen, Leben und Pflege im Ausland für die deutschsprachige Generation 50plus halten wir uns stets auf aktuellem Stand. Denn ganz bewusst besuchen wir nach unserer Recherche ausgewählte Länder, um uns vor Ort von der Realität zu überzeugen. Daher bieten wir interessierten Magazinen, Tageszeitungen oder Online-Portalen an, individuelle Berichte und Artikel, wenn gewünscht auch zu Teilgebieten, gegen Gebühr anzufertigen.

 

Darüber hinaus stehen wir gerne für Vorträge und Interviews zur Verfügung. Anfragen bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

PetraInterviewAusschnitt  Text: Petra Lupp / LEBENSDOMIZILE WELTWEIT

UeberUnsMartin  Fotos: Martin Klug / LEBENSDOMIZILE WELTWEIT