Living in Portugal - Die wichtigsten Gründe für das Leben in Portugal

on Dienstag, 19 August 2014. Posted in Lebensdomizile weltweit - Blog

AlgarveImmobilieBlog   Living in Portugal – ein
   Thema, das Turismo de 
   Portugal
in vielen Ländern
   Europas promotet:
   "Portugal ist eins der besten
   Länder für den
   Immobilienerwerb".
   Die Berichterstattungen sind
   vielfältig, die Meinungen
   ebenfalls. Um für den
   deutschsprachigen Raum mehr
   Klarheit zu schaffen, haben wir
   uns mit den Marketing-
   Verantwortlichen Carla
   Margarida Simoes
und   Antonio Soveral Padeira von Turismo de Portugal in Lissabon getroffen: zum Bericht

Um die teilweise komplexen rechtlichen und steuerlichen Aspekte im Detail beleuchten zu können, führten wir im Anschluss ein Interview mit Rechtsanwalt Prof. Dr. Jose Manuel M. Placido Santos, der für die "Deutsche und Schweizerische Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz e.V." das Dossier "Portugal - Immobilienerwerb in Portugal durch Ausländer" im Jahr 2013 überarbeitet hat. 

Bezogen auf die spezielle Thematik, welche Steuererleichterungen ausländischen Immobilienkäufern gewährt werden, seien es Selbstständige oder Bezieher von Ruhestandsgeldern, haben wir uns an das international tätige Wirtschaftprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen Deloitte gewandt. Rosa Maria Soares, Partner Tax bei Deloitte Consultores S.A. in Lissabon, beantwortete unsere Fragen, die wir - zur Vermeidung einer steuerlich nicht fachgerechten respektive missverständlichen Übersetzung - im Originalwortlaut wiedergeben.    
 

Interview mit Prof. Dr. Santos, JPS&A Sociedade de Advogados, RL, Lagoa/Portugal

LW:
Herr Prof. Santos, würden Sie unseren Lesern bitte zunächst einige Hintergrundinformationen über Ihre Verbindung zur
„Deutsche und Schweizerische Schutzgemeinschaft für Auslandsgrundbesitz e.V.“ geben. Was ist Ihre Motivation und welches sind Ihre Ziele, sich für diese Gemeinschaft von Portugal aus zu engagieren?

Prof. Santos: Seit über 20 Jahren hat uns unsere zufriedene deutsche Kundschaft – teils lokale Stützpunkte der Schutzgemeinschaft – uns weiterempfohlen, und mit der Zeit ist unser Name unter den Mitgliedern bekannt geworden. 1996 haben wir auf Anfrage der Schutzgemeinschaft ein Dossier „Portugal“ vorbereitet, seitdem arbeiten wir an der regelmäßigen Aktualisierung, die letzte datiert aus dem Jahre 2013.

Wir bieten vielfältige juristische Dienstleistungen in Portugal und mittels Partnerschaften auch in anderen Ländern an, aber unser Hauptsitz ist seit mehr als 25 Jahren an der Algarve. Hier haben wir auch die Mehrzahl unserer Kunden, besonders hinsichtlich Auslandsinvestitionen in Portugal, sowohl touristisch als auch auf dem Wohnsitz bezogen.

LW: Unsere Leser sind überwiegend deutschsprachige Best Ager und Senioren. Welche sind aus Ihrer Sicht die ausschlaggebenden Kriterien, warum gerade deutschsprachige Interessenten sich für einen Immobilienerwerb in Portugal entscheiden sollten, da auch andere vergleichbare Länder Südeuropas mit Attributen wie z.B. Lebensqualität, Klima, Sicherheit, Preis und Steuern werben?

Prof. Santos: Zur Zeit wird in Portugal und insbesondere an der Algarve ein interessantes Preis-/Leistungsverhältnis angeboten. Die Bauqaulität ist über die letzten 20 Jahre viel besser geworden und heute sehr gut. Außerdem sind mit der Krise die Preise auf eher realistische Werte gesunken. Verglichen mit anderen konkurrierenden Zielen hat die Algarve, auch in der Krise, ein stabiles Verhalten gezeigt und die Preise sind nicht auf unverhältnismäßig niedrige Niveaus gefallen.

Andererseits gehen die niedrigen Angebotspreise langsam zu Ende und es zeigt sich die Tendenz zur Stabilisierung. Wir sehen jetzt die ideale Zeit gekommen, um zu investieren. Dies auch unter den bekannten und gleichbleibenden Eigenschaften Portugals, insbesondere der Algarve: Geschichte, Natur, Gastfreundlichkeit, leckeres Essen, Sicherheit und – auch das können wir sagen – „das beste Klima der Welt“. Die Steuerfrage ist natürlich auch sehr wichtig, weil die erstellten Vorrichtungen und das portugiesische Steuerrecht gute Investitionsbedingungen bieten, vor allem für diejenigen mit Einkünften außerhalb Portugals.

LW: Wie hoch sind die prozentualen Nebenkosten des Immobilienerwerbs (Maklercourtage, Notar, Grunderwerbsteuer, sonstige Kosten) und wie hoch die laufenden Kosten (Grundsteuer, evtl. sonstige Abgaben)? Gibt es regionale Unterschiede innerhalb Portugals hinsichtlich der Kostensätze?

Prof. Santos: Hinsichtlich des Immobilienerwerbs in Portugal variieren die Kosten nicht viel in den verschiedenen Landesregionen, da sowohl die Steuern (IMT = Immobilienüber-tragungssteuer und IS = Stempelsteuer) als auch die Verwaltungskosten (Notariat, Grundbucheintragung, usw.) überall in Portugal ungefähr gleich sind.

Jedoch kann es hinsichtlich des Typs der Immobilie wesentliche Unterschiede geben (private oder geschäftliche Zwecke; Gebäude oder Baugrundstücke) sowie von Fall zu Fall. Daher ist es nicht möglich, an dieser Stelle exakte Kostengrößen zu beziffern, sondern nur exemplarisch die Größenordnung:

Wenn ein Immobilie € 150.000 kostet, sollte man mit Steuer- und Verwaltungskosten von ca. 3,3% (+/- € 5.000) rechnen; beim Kaufpreis von € 300.000 ca. 5,3% (+/- € 16.000); beim Kaufpreis von € 500.000 ca. 7% (+/- € 35.000). Rechtsanwaltshonorare sind dabei nicht mit eingerechnet. Wir halten es aber nahezu unverzichtbar, sich vor jedem Immobilienerwerb von einem Fachmann beraten zu lassen, nicht nur wegen den hier angegebenen, berechneten Kosten, sondern auch, um die besten Kaufkonditionen sowie eine rechtliche und finanzielle Sicherheit zu gewährleisten. Die verlangten Honorare können fallweise variieren, aber im Prinzip sollte man für die Arbeit und Vertretung während des gesamten Erwerbsprozesses mit 1% - 2% des Kaufpreises (zzgl. Nebenerwerbskosten und Mehrwertsteuer) rechnen.

Hinsichtlich der Maklerprovisionen ist es normal (der Markt ist nun mal frei), Abweichungen vorzufinden, abhängig von der Qualität der Dienstleistungen und Marktposition eines Maklers. Im Prinzip sollte man mit 3% - 7% des Kaufpreises rechnen, obwohl dies normalerweise vom Verkäufer an den Makler bezahlt wird, d.h. wenn die Immobilie zum Verkauf angeboten wird, enthält der Preis schon die Maklerprovision.

LW: Portugal wirbt mit interessanten Steuererleichterungen für ausländische Immobilienkäufer, unterstützt durch ein offizielles, staatlich gefördertes Programm namens „Living in Portugal“. Insbesondere die gut verdienende Generation 50plus mit hoher Steuerbelastung wird da schnell hellhörig. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um die Steuererleichterungen in Anspruch nehmen zu können? Können Sie uns an einem konkreten Zahlenbeispiel verdeutlichen, in welchem Umfang sich die Steuererleichterung niederschlägt?

Prof. Santos: Die von der portugiesischen Regierung zugeordneten Steuervorteile sind mit dem Status „Ansässige ohne ständigen Wohnsitz“ verbunden. Dieser Status sieht die Erhebung einer Pauschalsteuer von 20% (+ 3,5% Sondersteuer für das Jahr 2014) vor für Einkünfte innerhalb Portugals aus beruflichen Aktivitäten mit wissenschaftlichem, technischem oder künstlerischem Charakter mit hohem Mehrwert. Diese Regelung ist für einen Zeitraum von 10 Jahren gültig.

Die im Ausland erworbenen Einkünfte sind immer dann von der Steuer befreit, wenn sie gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen bereits im Herkunftsland besteuert worden sind. Dies ist anwendbar bei Einkünften aus angestellter Tätigkeit sowie aus selbstständiger Arbeit bei Dienstleistungen mit erhöhtem Mehrwert. Das bedeutet, dass in Portugal erworbene Einkünfte wesentlich weniger besteuert werden im Vergleich zu dauerhaft Ansässigen (für die dies variiert je nach Einkommensteuer-Einstufungsskala, aber höchstens, unter Berücksichtigung möglicher Abzüge, mit einer Steuerbelastung von ca. 50%).

Einkommen, das außerhalb Portugals erzielt wurde, ist in der Regel fast steuerfrei in Portugal, wenn bewiesen wird, dass die Steuer im Herkunftsland bezahlt wurde. Das Abkommen vermeidet die Doppelbesteuerung. Obwohl steuerfrei, sollten solche Einkommen trotzdem in Portugal angegeben werden.

LW: Laut einer Reportage im ZDF „auslandsjournal“ vom 10.07.2013 schaffe die portugiesische Regierung mit dem Projekt „Living in Portugal“ steuerliche Anreize, um europäische Senioren nach Portugal zu locken und somit die schwächelnde Konjunktur zu beleben. Ferner sollen die Verantwortlichen im portugiesischen Tourismusministerium bereits von einem „europäischen Florida für Rentner“ träumen. Wie weit und wo ist dieser Traum Ihrer Meinung nach bereits Realität geworden?

Prof. Santos: Dies betrifft die vorhergenannten „Ansässigen ohne ständigen Wohnsitz“. Im Falle von Rentnern mit Renteneinkommen außerhalb Portugals ist die Regel, dass dies hier nicht besteuert wird. Wenn das Steuergesetz des Herkunftslandes besagt, dass es keine Besteuerung bei Wohnsitz im Ausland gibt – und so lange noch die Option „Ansässige ohne ständigen Wohnsitz“ in Portugal angeboten wird und ein Übereinkommen zwischen dem Herkunftsstaat und Portugal existiert – gibt es hier keine Steuerpflicht und der Begünstigte bleibt von der Steuer befreit.

Grundlage ist, dass die Steuerbefreiung in Portugal erlaubt ist, so lange die Steuer im Herkunftsland bezahlt wurde oder wird. Somit bietet Portugal sehr vorteilhafte Bedingungen für diejenigen mit Renten- oder Mieteinkommen oder auch anderen Einkommensarten außerhalb Portugals an. Andersherum gesagt: Man darf das wunderbare Klima, das soziale Zusammenleben und schmackhafte Essen genießen und muss dabei keine Steuer in Portugal entrichten, wenn man nicht das ganze Jahr (oder zumindest den größten Teil des Jahres) hier wohnt.

Das Ergebnis ist gesichert gemäß gültiger Gesetzgebung, internationaler Übereinkommen und bezüglich staatlicher Unterstützung und Veröffentlichung, wobei es keinen Zweifel hinsichtlich der Anwendbarkeit geben darf. Zu diesen Vorteil kommt noch hinzu, dass es in Portugal keine Erbschaftsteuer als solche gibt. Es gibt eine sogenannte Stempelsteuer, fixiert auf 10%, die bei Übertragungen nach dem Todesfall angewendet wird. Befreit von dieser Steuer sind Erben oder Begünstigte, sofern sie Ehepartner oder direkte Nachkommen sind.

Die Steuervorteile und insbesondere der Status als „Ansässige ohne ständigen Wohnsitz“ sind nicht nur ein Traum, sondern eine gut strukturierte Realität mit möglichen Vorteilen.

LW: In deutschen Medien wurde berichtet, dass Rentner, die in Portugal eine Immobilie erwerben, ihren Wohnsitz nach Portugal verlegen und sich dort mindestens die Hälfte des Jahres aufhalten, vollständig von der Einkommensteuer befreit werden. Ist dies tatsächlich so, oder gilt die Befreiung nur unter der Voraussetzung, dass die Einkünfte bereits im Herkunftsland besteuert wurden?

Prof. Santos: Wie zuvor angesprochen, ist Portugal lediglich daran interessiert, dass die Zahlung gemäß den Bestimmungen des Doppelbesteuerungsabkommens in Portugal nicht fällig ist. Wenn die Steuer nicht in Portugal bezahlt werden muss, ist die Zahlung, oder die Nicht-Zahlung im Herkunftsland, für Portugal nicht wichtig.

LW: Welche Dokumente werden für die Beantragung der Langzeit-Aufenthaltsgenehmigung benötigt, welche Bearbeitungszeit ist einzurechnen und was kostet das?

Prof. Santos: Um den Status als „Ansässige ohne ständigen Wohnsitz“ zu beantragen, darf man in den letzten 5 Jahren keinen permanenten Wohnsitz in Portugal gehabt haben, d.h. der Aufenthalt in Portugal von mehr als 183 Tagen in einem Jahr oder der Erwerb einer Immobilie beweist im Umkehrschluss eine solche Absicht des ständigen Wohnsitzes.

Der Antrag sollte beim Leiter des Steuerregisteramts zum Zeitpunkt der Einreichung des Steuernummerantrags als Ansässiger gestellt werden, spätestens bis zum 31. März des folgenden Jahres, nachdem Sie ansässig geworden sind, oder wenn Sie Ihren Status von “nicht-ansässig” zu “ansässig” ändern. Dies wird beim Finanzamt oder der „Loja da Cidadão“ beantragt, dafür braucht man alle Unterlagen, die den Status beweisen (nämlich im Fall von Aktivitäten mit hohem Mehrwert gemäß der offiziellen Auflistung). Des Weiteren benötigt man eine Erklärung, die bestätigt, dass keine der Anforderungen, um als ständig Ansässiger in Portugal über den Zeitraum der vergangenen 5 Jahre zu gelten, zutreffend sind (laut Absätze 1, 2 und 5 des Artikels 16 des Steuergesetzes).

Einmal beantragt, hat der Begünstigte sich dem Status entsprechend zu verhalten, ausser wenn die Behörden zur Klärung eines Sachverhaltes Kontakt aufnehmen. Es ist darauf zu achten, dass alle steuerlichen Verpflichtungen erfüllt werden, einschliesslich die jährlichen Steuererklärungen, auch wenn man teilweise oder ganz von der Steuer befreit wurde. Es ist ferner zu beachten, dass der Status „steuerbefreit“ nicht von der Abgabe einer jährlichen Steuererklärung befreit.

Die Kosten für die Beantragung einer Steuernummer betragen € 10,20 zusätzlich weiterer Gebühren (ca. € 30,00 z.B. zur Beglaubigung von Personalausweis/Reisepass), und möglicherweise einige Honorare bei professioneller Unterstützung.

LW: In deutschsprachigen Foren existieren äußerst unterschiedliche Interpretationen, ob (und wenn ja welche) Steuererleichterungen für Ansässige ohne ständigen Wohnsitz in Portugal gewährt werden. Können Sie uns vereinfacht sagen, was die Rahmenbedingungen und steuerlichen Vorteile für Ansässige ohne ständigen Wohnsitz in Portugal sind?
Worin besteht konkret ein Vorteil, wenn Einkünfte aus selbstständiger oder abhängiger Arbeit sowie anderen Quellen (z.B. Kapitaleinkünfte, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung) doch nach den Steuerbestimmungen des Herkunftslandes und unter Berücksichtigung des Doppelbesteuerungsabkommens besteuert werden? Wo können Interessierte dazu weitergehende, verbindliche Informationen erhalten?

Prof. Santos: Es gibt die obengenannten Regelungen und darüber hinaus noch das sogenannte “Goldene Visum”, welches nur für Nicht-Europäer vorgesehen ist. Die Vorteile sind oben erwähnt, d.h. in der Regel gilt ein Steuersatz i.H.v. 23,5% auf das in Portugal erworbene Einkommen innerhalb der aufgelisteten Kategorien und unter dem Mehrwert-Aspekt. Bei Einkommen, das außerhalb Portugals erworben wurde (Einkommen als freiberuflicher Tätigkeit oder aus Renten oder Einkommen aus Mehrwert oder Immobilien), gilt Steuerbefreiung unter der Bedingung, dass die staatlichen Übereinkommen nicht die Zahlung in Portugal vorsehen.

Weitere Informationen sind bei den Steuerbehörden zu erhalten oder von Rechts- und Steuerberatern.

LW: Gibt es bereits Erfahrungen oder gar Auswertungen, wie sich das Investitionsverhalten von Ausländern in portugiesische Immobilien entwickelt hat? Wenn ja, welche Käufergruppen welcher Nationalitäten wurden aktiv oder zeigen sich interessiert? Wie hoch ist der Anteil deutschsprachiger Käufer (D-A-CH)?

Prof. Santos: Es gibt einen Zuwachs an Interesse, den mit einem Immobilienerwerb zum Wohnsitz gewonnenen Status zu erlangen, insbesondere auf den traditionellen Märkten (Deutschland, Schweiz, England und Holland), aber auch die Franzosen zeigen jetzt verstärktes Interesse an Portugal.

Da diese Regelung erst seit 2012 existiert, verfügen wir noch nicht über sehr viele Erfahrungen, aber von mehreren Quellen wissen wir, dass es einige Bürger gibt, die diesen Status erhalten haben. Mit der Abgabe der Einkommensteuer bis Ende Mai und den anschließenden Auswertungen werden wir wissen, ob mit den Behörden alles klappt oder ob Nachbesserungsbedarf existiert.

LW: Unsere Leser interessieren sich ganz überwiegend für den privaten Immobilienerwerb. Was wird vom deutschsprachigen Privatinvestor mehrheitlich nachgefragt in Bezug auf Apartments und Häuser: In welchen Regionen, in welcher Größenordnung (Zimmeranzahl, Wohnfläche) und in welcher Preisklasse wird gekauft?

Prof. Santos: Solche allgemeinen Daten sind nicht verfügbar oder zugänglich, aber unserer Erfahrung nach ist an der Algarve die Nachfrage sehr unterschiedlich und abhängig von der Gegend. Die meisten unserer Kunden suchen nach Einfamilienhäusern zwischen € 300.000 und € 500.000, da es interessante Angebote an Immobilien dieser Preisklasse gibt. Der Kauf von Wohnungen ist noch nicht wieder auf dem früheren Stand, gerade weil Hauspreise so niedrig sind und daher eher nachgefragt werden. Aber die Nachfrage nach Wohnungen wächst wieder, insbesondere nach Wohnungen am Strand. Man merkt auch eine gesteigerte Nachfrage bei Käufen von teuren Luxusvillen oder Grundstücken, wo das „Traumhaus“ gebaut werden kann, in einer Preisklasse ab einer Million Euro und mehr.

Hinsichtlich des Angebots der Wohnfläche haben die meisten Villen an der Algarve zwischen 150m² und 250m². Das Angebot an Wohnungen ist sehr unterschiedlich, in den Touristenzielen beträgt die Wohnfläche meistens über 100m², ausgestattet mit durchschnitllich mehr als zwei Schlafzimmern.

LW: Portugal wirbt mit einer Einrichtung zum vereinfachten und kostengünstigen Immobilienerwerb, den sogenannten „Casa Pronta“ Servicepunkten. Können Sie unseren Lesern Funktionsweise und Vorteile dieser Dienstleistung bitte erklären?

Prof. Santos: „Casa Pronta“ (übersetzt bedeutet das in etwa “baldiges, promptes Haus”) ist ein Service, der vom Staat angeboten wird. Man schliesst den Verkauf/Kaufvertrag beim Grundbuchamt ab, die Eintragung erfolgt sogleich im Grundbuch zu Gunsten der Käufer.

Aufgrund der Bemühungen hinsichtlich der Reduzierung der Bürokratie in Portugal ist es allerdings auch einfach, den Vertrag beim Notar abzuschliessen, der selbstverständlich den Eintrag im Grundbuch auch vornehmen kann.

Wenn Sie die Unterstützung eines Anwalts in Anspruch nehmen, können Sie sicher sein, dass er/sie die für Sie am besten geeignete Weise auswählt, um den Kauf und die folgende Eintragung schnell zu erledigen. Es ist auch normal, dass eine gute Rechtsanwaltskanzlei in Ihrem Auftrag spezielle Dienstleistungen ohne Aufpreis-Honorar vornimmt. Ich denke da u.a. an die Zahlungen von fälligen Steuern oder die Vorbereitung der Verträge hinsichtlich Wasser- und Stromversorgung, die Zusammenstellung aller Papiere inklusive der Quittungen, die bei der Steuer abgeschrieben werden können im Falle des Wiederverkaufs der Immobilie.  

LW: Ein wichtiger Punkt bereits vor Vertragsabschluss sind erbschaftsteuerliche Aspekte für ausländische Eigentümer, Erben und Erblasser. Was ist zu beachten? Hat ein portugiesisches Testament Vorteile gegenüber dem Testament des deutschsprachigen Herkunftslandes (D-A-CH)? In welcher Form muss es erstellt werden? Wie sieht es mit der Erbschaftsteuer aus?

Prof. Santos: Wie bereits angesprochen, gibt es in Portugal zur Zeit eigentlich keine Erbschaftsteuer, nur die Stempelsteuer von z.Z. 10% (mit der Befreiung für Erben, die Ehepartner oder direkte Nachkommen sind).

In Portugal gilt das Personenrecht – im Prinzip das der Staatsangehörigkeit – des Verstorbenen hinsichtlich der Nachfolge von Eigentum. Somit ist die Bestimmung des Besitzes möglich und gewährliestet gemäß des Staatsrechts des Verstorbenen. Dies erlaubt die Nutzung eines im Ausland erstellten Testaments, wobei eine beglaubigte Kopie und Übersetzung davon nötig ist, mit Apostil nach dem Haager Übereinkommen vom 05.10.1961 (um die Rechtsgültigkeit zu bestätigen). Auch ist eine Rechtserklärung erforderlich, die von der Botschaft oder vom Konsulat oder auch von einem Notar oder Rechtsanwalt ausgestellt wurde (ebenfalls mit Apostil).

Sie können auch hier in Portugal ein Testament machen hinsichtlich Ihres jetzigen oder späteren Besitzes in Portugal. Dieses Testament kostet mindestens ca. € 600.

Das Testament ist eine sehr formelle Sache in Portugal. Es muss vor einem Notar abgeschlossen werden (oder mindestens im Falle eines geschlossenen Testaments vom Notar genehmigt werden) und in Anwesenheit von zwei Zeugen (nicht Familienangehörige) dokumentiert werden. Im Falle, dass der Erblasser kein Portugiesisch versteht, in Anwesenheit eines Dolmetschers. Wenn Sie einen Rechtsanwalt haben, wird dieser alles vorbereiten und anfertigen.

LW: Wie bewerten Sie eine Immobilieninvestition in Portugal unter dem Aspekt der aktuellen europäischen Finanz- und Staatsschuldenkrise? Wie sicher ist Ihrer Meinung nach die Investition eines Ausländers in portugiesische Immobilien hinsichtlich möglicher Änderungen der portugiesischen Rechts- und Steuerpolitik?

Prof. Santos: Ich glaube, Portugal ist ein guter Ort hinsichtlich der Sicherheit von Immobilieninvestitionen, besonders wegen Portugals Reaktion auf die Krise. Es bietet eine vernüftige Steuerbelastung mit jährlicher Grundsteuer von höchstens 0,5% des offiziellen Wertes (der sehr selten über dem Marktpreis liegt), die auch für Nicht-Ansässige angewendet wird (Vermögenszuwachssteuer = 25% + 30% des Realgewinns). Dazu kommt in den meisten Fällen der Wegfall der Erbschaftsteuer und eine geringe Steuerbelastung von nur 0,8% bei Schenkung an die Kinder. Portugal ist ein friedvolles Land mit vorzeigbaren Pluspunkten hinsichtlich Natur und Umwelt sowie einem freundlichen und umgänglichen Volk.

Dies könnte die nun auf realistisches Niveau gesunkenen Preise erklären, ohne Panik auf dem Markt auszulösen, mit der Ausnahme von einigen Fällen, wo Verkäufer ihre Immobilie zu stark reduzierten Preisen anbieten, um einen schnellen Verkauf zu erzielen. Jetzt, da die euopäische Wirtschaft Anzeichen der Erholung zeigt, und Portugal seine Fähigkeit unter Beweis stellt, seine internationalen Verpflichtungen einzuhalten, glaube ich, dass die Marktperspektiven nur positiv sein können.

Hinsichtlich denkbarer nachteiliger Gesetzesänderungen ist nichts zu erwarten, denn die allgemeine politische Wahrnehmung ist die, dass ausländische Investitionen für die Entwicklung der Wirtschaft des Landes nötig sind und es gibt eine sehr klare Vorstellung bezüglich der Bedeutung der Tourismus-Immobilien. Viele der Maßnahmen, die durch die jetztige Regierung umgesetzt worden sind, sind bereits von vorherigen Regierungen (andere Partei) vorbereitet worden, und deshalb glaube ich, dass die Rechtssicherheit gewährleistet ist.

LW: Das ernüchternde Beispiel der USA, aber auch z.B. Ihres Nachbarlandes Spanien, haben deutlich gemacht, wie schnell sich Immobilienblasen, nicht zuletzt aufgrund des langanhaltenden Niedrigzinsniveaus, entwickeln können. Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht momentan dafür, dass sich eine vergleichbare Entwicklung in Portugal nicht ereignen wird?

Prof. Santos: Die Immobilienblasen, die durch die künstlichen Märkte sowie einfachen Kredite und künstliche Fristen entstanden sind, gibt es in Portugal nicht mehr. In Portugal gibt es keine leicht verfügbaren Kredite und alle Finanzierungen werden strengstens analysiert. Die Marktpreise liegen jetzt auf sehr vernüftigem Niveau, sogar in vielen Fällen unterhalb des erwarteten Preis-/Leistungsverhältnisses der Immobilie. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Preise noch weiter sinken oder es gar eine Panik auf dem Markt gibt, ist heute m.E. vollständig gesunken. Die Aussichten sind durchweg positiv.

Die traditionellen Käufermärkte der Algarve (Deutschland, England, Holland, Skandinavien und Belgien) sind stabil. In Irland wird die Lage langsam besser, und die Liebe der Iren für die Algarve ist weithin bekannt. Neue Märkte erscheinen, wie Frankreich und Russland, und deshalb ist eine Rückkehr der Immobilienkrise nicht absehbar. Auch aus politischer Sicht ist die Situation jetzt stabil. Die Parteien haben ein großes Verantwortungsgefühl hinsichtlich der Wirtschaft des Landes gezeigt, so dass sich die Portugiesen trotz aller Schwierigkeiten sehr geduldig und ebenfalls verantwortlich verhalten haben.

Aus all diesen Gründen wird die Algarve immer ein gutes Ziel darstellen, nicht nur für Ferien, sondern auch zum Leben und Investieren. Dies gilt heute umso mehr bei Berücksichtigung der sehr attraktiven Preise und der sich abzeichnenden Perspektiven). Darüber hinaus bieten natürlich aber auch andere Bereiche Portugals ein sehr interessantes Ziel, wie Lissabon und die Douro Region.

LW: Herr Prof. Santos, ganz herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Erläuterungen!


Statement from Deloitte regarding "Living in Portugal"

Rosa Maria Soares, Partner Tax, Deloitte Consultores, S.A., Lisboa/Portugal

LW: Portugal promotes attractive tax breaks for foreign real estate buyers. We are particularly interested in the impact of a real estate acquisition in Portugal for two target groups of the German speaking markets (mainly Germany, Austria, Switzerland; subsequently referred to as  D-A-CH): self-employed and retired persons. What requirements must be met in order to taking up the tax relief?

Rosa Maria Soares:
1. First of all, to qualify for the Non Habitual Residents (NHR) regime it is necessary that in the five preceding tax years the person in question did not qualify as tax resident in Portugal. In addition, it is necessary that in the year the person is applying for the regime the person qualifies as tax resident in Portugal and requests its application by filing a specific written request with the Portuguese tax authorities.

2.
There is no special relief for real estate acquisition applicable under the NHR regime. The same taxes apply to normal tax residents and to NHR’s. In fact, on the acquisition of Portuguese real estate Municipal Property Transfer Tax applies at rates between 0 and 6% and Stamp Duty at a rate of 0.8%. In addition, Portugal levies an annual municipal tax based on the registered value of Portuguese real estate at rates between 0.3% and 0.8%(depending on the municipality and type of real estate). Additional Stamp Duty will also be levied on properties with registered tax value equal or higher than 1.000.000 Euros.

3.
Notary fees, Registration fees and lawyer’s fees vary but should not exceed 1% of the acquisition value of the property.

4.
Assuming annual revenues from abroad (D-A-CH), for self-employed person qualifying as NHR, they will be taxed in Portugal according to the type of foreign income in question. Therefore, self-employment income derived from high value added activities (as defined in specific ministerial order, including engineers, researchers, university professors, designers, IT technicians, doctors, architects, etc.) will not be taxed in Portugal if it may be taxed in the source country in accordance with the applicable tax treaty (which is the case under the relevant tax treaties). Otherwise, this type of income will be taxed in Portugal at the normal rates up to 56.5% (although some deductions may apply). Foreign source dividends, interest and rentals will not be taxed in Portugal if they may be taxed in the source country in accordance with the relevant tax treaty( which is the case in this situation under the relevant tax treaties).

5.
For retired persons, qualifying as NHR’s, the rules in 4. above on the taxation of foreign source income also apply in this situation. In addition, retired persons also normally receive occupational pensions. Foreign occupational pensions may be fully exempt from Portuguese personal income tax if they are subject to tax in the source country in accordance with the applicable tax treaty or if they are deemed not to be derived in Portugal in accordance with the Portuguese sourcing rules (i.e., not paid by a Portuguese tax resident entity nor attributable to a Portuguese permanent establishment of a non-resident). Most tax treaties signed by Portugal (including the ones signed with Austria, Switzerland and Germany) give the right to tax occupational pensions to the country of residence (in this case, Portugal) precluding the country of source from taxing them. Accordingly, under the NHR regime, foreign source occupational pensions from German, Austrian and Swiss source should not be taxed in the source country (under the applicable tax treaties) and also not in Portugal under the mentioned special NHR rules (i.e., they are not paid by a Portuguese tax resident entity). Consequently, this regime may be very attractive in relation to foreign occupational pensions.

6. Please note that the concept of “fiscal domicile” and “permanent residence” are not relevant for Portuguese tax purposes and for the NHR regime. What is relevant is being a Portuguese resident taxpayer. For this, you have to spend more than 183 days in Portugal or have available accommodation in Portugal as an habitual abode on 31 December of the relevant tax year. In addition, Portuguese tax residency and the request of the NHR status (it should be requested up to 31 March of the year following that in which you become resident), do not require the purchase of a house in Portugal. It is enough to rent a house.

7.
On pensions, please bear in mind that taxing rights in relation to pensions of retired civil servants and other government employees generally are allocated by tax treaties to the paying countries, regardless of the residence status of the recipient. This means that they should be taxed in the source country and not in Portugal under the NHR regime.

LW: German media reported that retirees who purchase a property in Portugal, transfer their residence to Portugal and stay there for at least half , are completely exempt from income Is this actually the case, does the exemption apply the condition that the revenues has been already fully taxed in the country of origin, taking into account the double taxation convention?

Rosa Maria Soares: Based on all that we said above, we can confirm that if Germans move to Portugal, spend half of the year there, apply and obtain the NHR status, and have a house there (rent or acquire it), their German source occupational pensions may be totally exempt from tax. In German they should not be taxed as the tax treaty gives Portugal the right to tax them and Portugal does not tax them under the NHR regime as they are not paid by a Portuguese tax resident entity.


Wir danken Frau Soares für die Beantwortung unserer Fragen!

Weiterführende Informationen zu den portugiesischen Steuerregelungen für "Ansässige ohne ständigen Wohnsitz" (NHR) finden Sie in den Flyern von Deloitte:

für Bezieher von Altersversorgungsbezügen

- für Bezieher von anderen Einkunftsarten

 

Rating

4.7/5 rating (141 votes)