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Für Sie gelesen:

Plötzlich Rabenmutter

Autorin: Lisa Frieda Cossham

Verlag: blanvalet

224 Seiten

ISBN: 978-3-7341-0375-9

Rabenmutter

Lisa teilt sich nach der Trennung von ihrem langjährigen Partner (seit Studienzeiten) und Ehemann Jan die Betreuung der gemeinsamen Töchter im Wechselmodell. Nachdem sie Wut, Hass und Entrüstung anderer Mütter erleben muss, reflektiert sie ihre Rolle als Teilzeitmutter.

Im Buch zeigt Lisa ihr Leben und ihre bereits in der Partnerschaft und Ehe gelebte Freiheit mit getroffenen Absprachen hinsichtlich Berufswahl, Ausgehen und das Leben genießen. Denn Jan und Lisa leben ganz selbstverständlich die Gleichberechtigung.

Doch mit der Trennung soll es plötzlich mit der Gleichberechtigung vorbei sein?

Ob es allein daran liegt, dass Lisa einen anderen Mann kennengelernt und deswegen ihren Ehemann verlassen hat? Die moralische Keule der scheinheiligen Gesellschaft trifft sie voll, denn schließlich hat sie mit ihrem Auszug aus der Familienwohnung doch die Kinder verlassen.

Die Autorin prangert die Doppelmoral der Gesellschaft an, in der kümmernde Väter als einzigartig, Wechselmodell-Mütter als Rabenmütter dargestellt werden. Und sie entlarvt den Mythos Mutterliebe.

Im mittleren Teil des Buches werden die Berichte etwas langatmig. Auch das oft zur Schau gestellte Selbstmitleid und ihr erlebtes Leid, die Kinder nach einer Woche wieder verabschieden zu müssen, nerven irgendwann. Viele Wechselmodellmütter erleben dies anders und ohne Wehmut, aber Lisa ist dieser Punkt sehr wichtig.

Im letzten Drittel des Buches treten glücklicherweise verstärkt die Vorteile des Wechselmodells in den Vordergrund. Es werden die derzeitig geltenden und doch so veralteten Familienleitbilder angeprangert und neue Werte PRO Wechselmodell dargestellt. Einhergehend mit vielen stichhaltigen Argumenten, teils aus unterschiedlichen Publikationen, heißt das Plädoyer auch, die Förderung der Gleichberechtigung doch bitte nicht zeitgleich mit der Partnerschaft enden zu lassen.

Mut machen zudem solche Sätze wie „Dass Fürsorglichkeit, Wärme und Hingabe keine geschlechterabhängigen Begabungen sind und uns ein veraltetes Mutterideal bei den Versuchen behindert, neue Familienstrukturen zu leben, in denen Väter genauso präsent sind wie Mütter“ von Seite 206 bzw. auf Seite 211 „Indem wir uns die Erziehungsarbeit teilen, haben Jan und ich uns zu selbstbewussten, voneinander unabhängigen Bezugspersonen entwickelt. Waren wir zu Ehezeiten ein nicht näher definiertes elterliches Kollektiv, so wissen wir nun um unsere individuellen Qualitäten".

Fazit: Das Buch polarisiert und informiert. Andere Wechselmodell-Mütter würden es von der Kerngeschichte anders schreiben, aber die zukunftsorientierte und wichtige Aussage, dass ein Wechselmodell funktionieren kann und damit für beide Partner Raum und Zeit bleiben, Beruf und Berufung zu leben und sich die Kindererziehung und -betreuung zu teilen, bleibt!