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71SonnenuntergangJarnac

 

Reisereportage Hausboot-Tour in Frankreich (September 2016)

 

Wir ziehn auf´s Boot

 

Zielort ist Cognac, hier sollen ein reserviertes Hausboot vom Bootsvercharterer Les Canalous und eine Bloggerin aus Dortmund auf uns warten. Wir werden die nächsten sieben Tage gemeinsam verbringen, eine weitere Bloggerin aus Berlin hat kurzfristig ersatzlos abgesagt. Doch was erwartet uns wirklich? Wo ist der Unterschied zum Wohnmobil, mit dem wir doch schon so viele tausend Kilometer in zig Ländern unterwegs waren? Entspannung oder Anspannung, Spaß oder Stress? Was treibt eigentlich die Generation 50plus zum Hausbootfahren – und was missfällt ihr? Wie gut funktioniert es mit dem „Unterwegs“-Arbeiten auf dem Boot? Und wie ist es mit der Harmonie und der notwendigen Zusammenarbeit bei sich völlig fremdem Reisenden auf engstem Raum?

 

Vielfältige Antworten auf all diese Fragen haben wir gefunden und hier zusammengetragen. Doch der Reihe nach:

 

2GurgyStellplatz  4SchildWoMo  8HennessyParadies

WoMo-Stellplatz Gurgy an der Yonne// Die Charente begrüßt uns // Das "Paradies" bei Hennessy

 

Unsere Anreise durch Frankreich gestalten wir mit einer Zwischenübernachtung in Gurgy an der Yonne - die Verbindung Wohnmobil und Boot scheint also doch sehr eng zu sein, wie wir am Stellplatz sehen können. Und so kommen wir einen Tag vor dem Boots-Übergabetermin in Cognac an. Stadt und Getränk teilen sich übrigens einen Namen. Die Stadt feiert 2016 ihr 1000-jähriges Bestehen und wir besuchen den bereits im Vorfeld vereinbarten Termin mit dem Marktführer und Cognac-Hersteller Hennessy, 1765 gegründet und idyllisch gelegen am Fluss Charente.

Inhaltsverzeichnis


Backstage Hennessy - ein Ausflug ins Paradies!


Bootsübernahme und Einweisung komplett in französisch

 

Die #bootblogger Crew auf der Charente

 

Entspannen auf der Charente

 

Früher Römer, heute Hausboottouristen in Saintes

 

Maritimes Flair in Rochefort

 

Jarnac und Courvoisier

 

Idylle und Niedrigwasser in Neufchateau sur Charente

 

#ueberallarbeiter

 

Leben im Wohnmobil - Leben auf dem Boot

 

Man muss sich schon sehr mögen!

 

 

Backstage Hennessy - ein Ausflug ins Paradies!

Die exklusive "Hennessy Exception Tour" ist eine von drei angebotenen Besichtigungen und entführt die Besucher wahrhaft ins Paradies. Sie dauert zwei Stunden und nimmt maximal zehn Personen mit, eher weniger. Das Wohnmobil kann auf dem nahegelegenen Parkplatz kostenlos abgestellt werden und man kann sogar hier übernachten; ohne weitere Infrastruktur, versteht sich.

Mit unserem charmanten und wortgewandten Guide Max überqueren wir per Boot und zwei weiteren Gästen die Charente. Sehr privat und gediegen geht es zu bei dieser besonderen Führung, keine Besuchermassen oder Busgruppen. Die Multimedia-Show im ersten Keller begeistert uns, wir lernen in kürzester Zeit acht Generationen und über 250 Jahre Hennessy-Geschichte kennen. Für Cognac werden übrigens nur weiße Trauben verarbeitet (Ugni Blanc, Folle Blanche und Colombard).

Im zweiten Keller wartet das erste Highlight auf uns - der Besuch vom Paradis - dem extra gesichertem Keller mit den wahren, alten Schätzen, teils noch in Fässern, teils in große Flaschen abgefüllt und mit Jahreszahl versehen. Die Verkostung am Ende des Rundgangs jedoch führt uns wieder zurück in eine "Private Tasting Lounge" im Herzen des Hennessy-Gebäudes. Exklusiv stehen für uns die Premiumprodukte mit dem Hennessy XO und Hennessy Paradis bereit. Wie gesagt, ein Ausflug ins Paradies und ein wunderbarer Auftakt zur Bootstour.  

 

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Hennessy: Multimedia-Show // Private Tasting Lounge // Guide Max zelebriert den "Paradis"

 

Bootsübernahme und Einweisung komplett in französisch

Am nächsten Tag übernehmen wir um 16 Uhr im Hafen von Cognac die Tarpon 37N, ein 11 Meter Hausboot, Jahrgang 1999, mit drei Kabinen, Küche, Salon, zwei WCs/Dusche sowie einem Sonnendeck. Es soll uns #bootblogger die nächsten Tage auf dem Fluss Charente beherbergen.

Neben einigen markanten Macken, die sich in den vergangenen 17 Jahren Vermietprozess angesammelt haben, wird uns das Boot vollgetankt und mit Wasser für zwei bis drei Tage von James, wie er sich uns vorstellt, übergeben. Unverständlich für uns jedoch, obwohl überwiegend deutsche Bootstouristen hier ihr Hausboot übernehmen, spricht die Mannschaft von Les Canalous nur französisch. Entsprechend schwierig gestaltet sich für nicht-französischsprachige Bootsneulinge natürlich dadurch die Übernahme und das Verstehen der Technik. Martin besitzt einen Bootsführerschein, ist schon auf vielen Revieren in Europa Hausboot gefahren und so sehen wir der Prozedur gelassen entgegen.

 

6HafenCognacHennessy  17bernahmeBootDeck  18MartinJamesbernahme

Hafen von Cognac, im Hintergrund Hennessy // Bootsübernahme mit James von Les Canalous

 

Die #bootblogger Crew auf der Charente

Unsere Blogger-Mitfahrerin ist verspätet angekommen, muss also noch Lebensmittel und Toilettenpapier einkaufen. Am Abend möchte sie sich zudem die Stadt anschauen. So starten wir erst am nächsten Morgen bei traumhaftem Sommerwetter flussabwärts. Die dreisprachigen Flusskarten (frz./engl./deutsch) müssen nun ab sofort immer beim Navigieren dabei sein.

Von Cognac gibt es übrigens zwei Routenmöglichkeiten. Einmal Richtung Rochefort nach Westen mit insgesamt drei Schleusen (davon zwei automatisch) oder östlich nach Angouleme mit sage und schreibe achtzehn manuellen (!) Schleusen.

 

23KapitnMartin  27UteFotoSchleuse  35CrewPetra

Die #bootblogger Crew: Martin, Ute und Petra

 

Wir entscheiden uns gemeinschaftlich für den Tourstart Richtung Atlantik über Saintes nach Rochefort und wissen nach der ersten handbetriebenen Schleuse auch schon warum. Es ist einfach harte Arbeit bei schweißtreibenden 32 Grad Außentemperatur, strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Zugegeben, im Regen möchte auch keiner von uns die Schleusen betätigen, aber so heiße Temperaturen dürften im September ebenfalls ungewöhnlich sein. Nur wenige Dörfer säumen das Ufer; Bäume, Sträucher und Maisfelder begleiten unseren Weg in die jeweils nächste Flussbiegung. Obwohl im September noch Hochsaison ist, begegnen uns nur wenige Boote, die überwiegend von der Generation 50plus gesteuert werden.

 

20KarteSteuerstand  29StillebenBaum  SchleuseMartin

Unerlässliches Kartenmaterial für die Navigation // Flussufer-Idylle // Schleusen: Echte Handarbeit!

 

Entspannen auf der Charente

Die Generation 50plus schippert anscheinend gerne mit dem Hausboot gelassen über die Charente. Ob Dänen, Engländer oder Deutsche, alle genießen die Ruhe und das seichte Plätschern am Bug. Hier eine Badepause, da ein Bummel durch kleine Örtchen, eine Genusstour beim Cognac-Hersteller oder abends ein Glas Rotwein an Deck. Einige grillen, andere suchen das hübsche Restaurant mit Außenterrasse. Alle lassen es sich gut gehen. Schnell entwickelt sich abends am Anlegesteg oder auch an einer der Schleusen ein Gespräch, es werden Tipps zum Anlegen, Essen gehen oder über touristische Attraktionen weitergegeben und Erfahrungen ausgetauscht. Die Freude über das traumhaft schöne Wetter und die gediegene Landschaft leisten ihr Übriges, die Urlauber sind entspannt.

Viele reisen per Flieger an und übernehmen dann direkt das Boot, die deutschsprachigen Hausbootler kommen überwiegend mit dem eigenen PKW oder Wohnmobil, parken dieses entweder kostenpflichtig auf dem Hafengelände oder gerne auch nebenan, dann kostenlos auf dem öffentlichen Parkplatz. Eigene Stuhlauflagen, der Kaffeezubereiter, viel Proviant und Getränke oder auch mal eigene Bettdecken wechseln dann neben Kleidung, Foto- und Filmausrüstung sowie Taschenlampe, Mehrfachstecker, Küchentücher u.v.m. ihren temporären Standort über die Reling direkt ins Boot.

 

SchleusenzweiBoote  DeutschDaenischeKoproduktion  74Charente

Schleusen im Tandem ist einfacher // Deutsch-dänische Koproduktion // Einfach nur idyllisch!

 

Während der Fahrt sieht man sofort, wer Neuling ist oder bereits Erfahrung hat. Die handbetriebenen Schleusen sind nicht jedermanns Sache. Ok, manch einer lernt es nie, wie aufmüpfig ein Boot reagiert, wenn das Wasser von unten in die Schleuse kommt, doch das ist eine andere Geschichte. Im „Tandem“ kurbelt es sich leichter, und wer die Möglichkeit hat, schleust deshalb mit einem zweiten Boot. Vielfach sind große Boote mit drei und mehr Kabinen unterwegs, entsprechend lustig und in Urlaubsstimmung sind die Gruppen on Tour.

Gleich nach der Übernahme lernen wir in Cognac zwei Paare aus Deutschland kennen, die sich zwei Wochen Bootstour gönnen, obwohl sie eigentlich bekennende Segler sind. Die Stimmung bei den Urlaubern ist allerdings schlecht, ihre ersten Eindrücke von der morbiden Hafeninfrastruktur in Cognac und dem ebenfalls alten Boot sind nicht gerade begeisternd. Sie haben schon Besseres erlebt, erzählen sie, haben sie doch bereits sehr viel Hafen- und Bootserfahrung in unterschiedlichen europäischen Ländern. Glücklicherweise macht uns einer der Männer noch auf unser marodes Stromkabel aufmerksam, das James dann auch gleich vor Ort repariert. Wer deutsche Häfen mit sauberen Sanitäranlagen, schönen Stegen und Ruhe gewohnt ist, sollte sich hier umstellen und Abstriche machen können. Abends ist kein Verantwortlicher auf dem Hafengelände, so dass u.a. Jugendliche dort gerne laut Musik hören und Party feiern.

Auch andere Häfen sind eher Bootsanleger; sanitäre Anlagen, Strom oder Wasser sucht man hier vergebens. Dafür sind einige allerdings kostenlos.

 

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Saintes: Kathedrale St. Pierre // Ehrenbogen des Germnicus // Brücke über die Charente

 

Früher Römer, heute Hausboottouristen in Saintes

Der Anleger in Saintes ist direkt am Naherholungsgebiet sowie an der Fussgängerbrücke zur Innenstadt gelegen. Die Römer haben hier überall ihre Spuren hinterlassen, ob Amphitheater oder Ehrenbogen des Germanicus. Alle Sehenswürdigkeiten, die Fußgängerzone und auch die Touristinformation, die einen Stadtplan bereit hält, sind fußläufig erreichbar. Die Stadt gehört schon zum Département Charente-Maritime, die Promenade in der Nähe des Ehrenbogens ist abends hübsch erleuchtet und belebt.

In Saintes tanken wir Wasser auf. Ein langer Schlauch wird an die Zapfstelle, die gleichzeitig auch Stromsäule ist, angeschlossen und los geht’s. Dies sind alles Arbeiten, die Wohnmobilfahrer jedoch bereits bestens kennen.  

 

StromWasserSaintes  StromWasseranschluss  36Boot

Stromsäule mit Wasseranschluss // Wasser bunkern // Individueller Anlegesteg

 

Die Übernachtung ist Saint Savinien ist schnell beschrieben: Die Ortschaft ist ruhig, idyllisch gelegen mit Kirche und Katzen, der Bäcker hat morgens frisches Baguette, und ab hier hat man zwei Möglichkeiten der Weiterfahrt. Entweder wieder zurück Richtung Cognac oder durch die große Schleuse mit sich öffnender Brücke hindurch nach Rochefort. Diese öffnet für uns gleich morgens um acht, es heißt also früh aufstehen. Belegt nur in der Hochsaison, grenzt ein großer Campingplatz an den Ort, jetzt säumen „nur noch“ zahlreiche Wohnmobile auf einer Privatstraße unseren Weg zur Schleuse.

So lieblich und charmant uns die Charente bisher begleitet hat, der Weg nach der Schleuse Saint Savinien Richtung Rochefort ist deutlich anspruchsvoller, da wir Ebbe und Flut live miterleben dürfen. Und zugegeben, diese Fahrt ist nichts für Angsthasen. In den Hafen Rocheforts einzufahren ist nur bei Flut möglich. Wir legen daher "draußen" an. Doch das Navigieren bei Ebbe setzt Fingerspitzengefühl voraus.

 

39AbendstimmmungSaintSaivinien  44Schleusenwrter  62SchleuseStraenbrckegeffnet

St. Savinien: Abendstimmung im Hafen // Schleusenwärter // Durchfahrt bei offener Brücke

 

Maritimes Flair in Rochefort

Wie so oft, führt einer unserer ersten Wege in die Touristinformation. Für einige augenscheinliche Weltenbummler und Langzeitsegler gibt es hier erfreulicherweise superschnelles, freies WLAN und wir lernen Ursula kennen. Sie ist Deutsche, hat vor über 20 Jahren einen Franzosen geheiratet, ist aus dem Süden Deutschlands nach Rochefort gezogen und fühlt sich noch immer wohl in der Gegend. Sie gibt uns Tipps und informiert uns darüber, dass Rochefort extrem stolz darauf ist, im Jahr 2015 vom französischen Tourismusamt als schönste Ferienregion Frankreichs ausgezeichnet worden zu sein, vor anderen bekannten Küstenregionen wie der Cote d'Azur , wie sie schmunzelnd erläutert.

Wir könnten noch ewig plaudern, doch hier wie anderswo sind die Öffnungszeiten vormittags bis 12.30 Uhr und dann nochmals von 14-18 Uhr. Wir verabschieden uns also herzlich und laufen mit Stadtplan und weiteren Infos im Gepäck ums Eck direkt in die belebte Innenstadt.

Der Nachbau der Hermione in den früheren Trockendocks inklusive im Zelt dargestellter, detaillierter Arbeitsschritte und Materialien begeistert uns und viele weitere Besucher. Das Museum im Cordiere Royale zeigt eine beeindruckende Präsentation zur Produktion von Hanfseilen und zur Knotenkunst. Nur noch wenige beherrschen das Handwerk, doch eine internationale Gilde gibt die Kniffe und Techniken an die nächsten Generationen weiter. Eine deutsch-französische Sonderausstellung zum Thema Wind ist als Mitmachveranstaltung konzipiert.

 

63CharenteMaritimFischernetze  66WartenaufFlut  64NavigierenWenigwasser

Die Charente bei Flut und bei Ebbe // Navigieren mit Fingerspitzengefühl in der schmalen Fahrrinne

 

Nette Cafés, die Markthalle mit frischem Fisch oder einfach eine Rast im Schatten großer Bäume Richtung Hafen - es gibt sehr viel zu entdecken! Und so hat sich der Ausflug gelohnt, wenngleich unsere Mitfahrerin Bloggerin Ute einerseits die Schönheiten der Stadt lobt, um dann wieder ängstlich mit uns diskutierend wohl doch lieber hinter der Schleuse in Saint Savinien geblieben wäre.

Uns jedenfalls hat das Flair der Stadt überzeugt und wir können einen Ausflug in den Bezirk La Charente Maritime und nach Rochefort nur empfehlen. Denn die Landschaft ändert sich, wird offener und weiter, der Wind des Atlantiks weht einem um die Nase und etwas Herausforderung beim Bootfahren macht eine Reise doch erst richtig interessant.

Zurück in Saint Savinien müssen wir übrigens eine Nacht vor der Schleuse festmachen, denn auch hier gilt: 18 Uhr ist Feierabend, erst am nächsten Morgen geht es um Punkt 8 Uhr wieder weiter.

 

51Hermione  53HanfseileFabrikationMuseum  57EbbeRochefort

Nachbau der L´Hermione // Museum der Hanfseile // Ebbe in Rochefort

 

Hier gehts zur Bildergalerie von Rochefort auf unserer Facebook Seite

 

Haben wir jetzt die „eine Seite“ der Charente gesehen, so lockt uns jetzt die andere Seite, flussaufwärts Richtung Angouleme. Im Heimathafen Cognac tauschen wir beim kurzen Zwischenstop unsere defekten Plastikstühle gegen neuere (alte) Modelle aus und zwei neue Bootshaken nehmen wir auch gleich mit, nachdem sich beim vorletzten Anlegen bei beiden Exemplaren der Haken vom maroden Holz gelöst hat. Das Hafenbüro ist allerdings nicht besetzt, mittwochs ist geschlossen.

 

Jarnac und Courvoisier

An diesem Abend ist der Sonnenuntergang wirklich ein paar Fotos wert. Das vielfach beschriebene klare Wasser der Charente haben wir allerdings nur im oberen Teil gesehen, also von Jarnac flussaufwärts.

Die Stadt Jarnac empfängt uns rechts mit der Pferderennbahn und vor uns mit dem Chateau von Courvoisier. Hier ist der Cognac, bekannt durch die Eröffnungsfeier des Eiffelturms in Paris während der Weltausstellung 1889 und durch den stilisierten Napoleon-Hut, zuhause. Das Unternehmen rangiert auf Platz 4 der bekanntesten Cognac-Hersteller, nach Hennessy, Martell und Remy Martin.

 

Wir legen am Kai an und Bloggerin Ute entscheidet sich spontan, im kühlen Nass der Charente zu baden. Was sie nicht bedenkt, ist die Rückkehr ins Boot, die ihr nach mehrfachen Anläufen nicht gelingen will. Aber Martin ist wie immer zur Stelle, wenn die Bootblogger-Crew Unterstützung benötigt, und hilft ihr aus dem Wasser. Danach ist sie auch gleich wieder in Richtung Ortsmitte unterwegs, wie immer auf der Suche nach Internet und einem Stromanschluss.

Und auch bereits vor dem Frühstück am nächsten Tag trennen sich, wie so oft, unsere Wege. Während Ute im Café und Petra diesmal in der gut ausgestatteten Tourist-Information arbeiten, organisiert Martin für uns Drei kurzfristig eine Führung bei Courvoisier. Sympathisch begrüßt uns unserer Guide Camille in deutsch, die anschließende Führung jedoch ist aufgrund weiterer Teilnehmer in englischer Sprache. Das sehr traditionell eingerichtete Museum punktet mit Original-Exponaten von und über Napoleon I und ist mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt. Paris im 19. Jahrhundert, der Eiffelturm und natürlich die Cognac-Herstellung spielen eine große Rolle.

 

72CourvoisierBruecke  Camille  JarnacSonnenuntergang

Chateau Courvoisier // Guide Camille von Couvoisier // Sonnenuntergang bei Jarnac

 

Zum Abschluss darf probiert werden, u.a. auch ein von Courvoisier kreierter Cocktail namens „Midnight in Paris“. Wir lernen die Verantwortlichen für Marketing und PR kennen und dürfen noch einen Blick in die Räume des Chateaus werfen. Hier organisiert man VIP-Empfänge, besondere Verkostungen sowie mehrstündige Programme, für die uns dieses Mal leider die Zeit fehlt. Ein hübsches Angebot fällt uns jedoch noch ins Auge: Wer möchte, kann seinen eigenen Cognac zusammenstellen und im Anschluss "seine" 0,2ltr. oder 0,7ltr. Flasche mit nach Hause nehmen.

 

CourvoirsierChateau  CourvoisierCognacselbstmachen  CourvoirsierCognacherstellern

Chateau Courvoisier: Privaträume // Individuelle Cognac-Kreationen // Eau de vie Regal im Museum

 

Idylle und Niedrigwasser in Neufchateau sur Charente

Nach weiteren vier, wie kann es anders sein, handbetriebenen Schleusen, laufen wir recht spät in Châteauneuf-sur-Charente ein. Das Niedrigwasser, wohl aufgrund längerer Trockenheit, tat sein Übrigens und plötzlich hingen wir in den Schlingpflanzen fest. Der erstaunte Ausruf „Warum ist hier eigentlich kein Warnschild?“, obwohl der Anlege-Kai im Plan rund um die kleine Insel angezeigt ist, beantworteten unsere dänischen Nachbarn vergnügt mit: „Hey, das hier ist Frankreich!“.

Idyllisch und angenehm verläuft diese Nacht, die angrenzende Bahnstrecke und der Verkehr auf der Brücke bleiben ruhig. Die leicht dampfende Charente leistet den Frühaufstehern beim ersten Kaffee dann Gesellschaft, Schwäne und Enten ziehen ihre Bahnen. Frisches Baguette gibt es meist einige Schritte vom Anlegeplatz entfernt beim nächsten Bäcker, so auch hier. Auf unserem Nachbarboot jedoch ist schon hektisches Treiben. Es ist Freitag und die Männer putzen und schrubben das Deck, was das Zeug hält, die Frauen schwingen innen im Boot Bürsten und Lappen. Die Rückgabe steht an und es steht jedem frei, eine Reinigungspauschale zu zahlen oder selbst Hand anzulegen. 

 

Neuchateau  KlaresWasser  AbteiCharente

Châteauneuf-sur-Charente // Klares Wasser im Oberlauf der Charente // Eindrücke unterwegs 

Genüsslich kauen wir jedenfalls unser Baguette mit Camembert, während wir sichtlich gelassen die Putzaktion beobachten. Ja, wir sind froh, die Reinigungspauschale bereits im Vorfeld mit Kautionsversicherung und allen Motorbetriebsstunden geleistet zu haben. Alle, die viel fahren möchten, sollten sich diese Pauschale durchrechnen und vorab bei der Übernahme buchen – es kann sich lohnen.

Auch für uns geht es nun wieder zurück nach Cognac, insgesamt acht Schleusen warten auf uns, also viel Arbeit für Kapitän und Crew.

Die Rückgabe am nächsten Morgen geht schnell vonstatten, die per Kreditkarte geblockte und somit irgendwie doch hinterlegte Kaution (trotz Kautionsversicherung, man muss es nicht verstehen) wird zurückgebucht, der Schlüssel abgegeben. Schon vorher haben wir all unsere Sachen zusammengepackt und wieder im Wohnmobil verstaut. Die Bootstour ist also zu Ende. Doch welches Fazit ziehen wir?

 

#ueberallarbeiter

Diesmal waren wir einerseits für unser Onlineportal LEBENSDOMIZILE WELTWEIT unterwegs, aber auch offiziell als #bootblogger und #ueberallarbeiter, initiiert von Marco Nöchel, HKN GmbH. Doch was ist das überhaupt und welche Voraussetzungen braucht man?

Vorab: Es reicht nicht, ein Smartphone zu besitzen, ein paar Fotos oder Filmchen zu machen und dann sehnsüchtig im nächsten Hafen auf ein freies WLAN-Netz zu hoffen, vorausgesetzt, es gibt dort auch Strom, um endlich Smartphone und Laptop aufladen zu können.

73PetraArbeit  ChargerAufladenAkku  22bootbloggen

Arbeiten unter Deck // Mobiles 12V-Laden an Bord // Arbeiten auf dem Achterdeck

 

Wir definieren #ueberallarbeiter daher aus unserer jahrelangen Reiseerfahrung so, dass man wirklich überall arbeiten können muss. Dies setzt für uns selbstredend ein gewisses Equipment voraus, das man selbstverständlich als #ueberallarbeiter dabei hat. Dazu gehören auf jeden Fall ein 12V-Ladegerät, um über die Bordbatterie (in diesem Fall egal, ob Boot oder Wohnmobil) Akkus für Smartphone, Fotokameras und Netbook aufladen zu können. Eine Mehrfachsteckdose leistet ebenfalls gute Dienste, wenn im Hafen doch mal Strom vorhanden ist.

Deutsche Handyverträge bieten zu einem annehmbaren Preis kostenloses Telefonieren und Internet auch im europäischen Ausland an – so ist man wirklich überall online. Sonst bleibt einem in manchen Städten nur, sich an der Touristinfo nach Geschäftsschluss an der Wand lang zu drücken, um das WLAN nutzen zu können, wie uns die mitreisende Bloggerin klagend über das schlechte Internet in Saintes vormachte. Alternativ muss das erstbeste und oftmals auch laute Café die nächste Anlaufstelle sein, um dort arbeiten zu können. Aber ist ja hip und machen uns die sogenannten Digitalen Nomaden doch immer vor. Wir bevorzugen ruhigere Plätze, an denen man konzentriert und effektiv arbeiten kann, wie beispielsweise auf dem Boot.

 

Salon  Toilette  Dreierkabine

Großzügiger Salon, im Hintergrund die Küche // Separate Toilette // Bug-Kabine

 

Leben im Wohnmobil - Leben auf dem Boot

Einiges ist ähnlich, doch es gibt auch Unterschiede. Klar, die Thematik Wasser und Strom, Toilette und Abwasser sind ähnlich – Reisegeschwindigkeit, Flexibilität und Mobilität unterscheiden sich hingegen gravierend.

Beim Boot ist der Weg – oh, der Fluss – das Ziel. Es geht langsam voran, man muss Schleusenzeiten oder Ebbe und Flut beachten, und bei Anbruch der Dunkelheit ist das Bootfahren nicht mehr erlaubt. So wetterunabhängig man mit dem Wohnmobil ist, so extrem spürt man auf dem Boot Wind, Sonne oder Regen. Auf Facebook bekamen wir den Hinweis: Beim Boot benötigt man keine Auffahrkeile! Stimmt, jedoch die Leinen sollten auch immer gut am Anlegesteg festgemacht sein.

Das Reisen per Boot entschleunigt und entspannt, Strecke machen benötigt daher viel Zeit und etwas Routine. Ein Fahrrad an Bord hilft, nach dem Anlegen schnell die Gegend zu erkunden oder zum Einkaufen zu radeln.

38FlusskarteDeutsch  21FahrradanBord  67KapitnMartin

Alle wichtigen Infos in der Flusskarte // Fahrrad an Bord // Steuern von der Flybridge

Man muss sich schon sehr mögen!


Wer uns kennt weiß, wir berichten stets authentisch, auch mal kritisch, denn wir möchten, dass unsere Leser umfassend und ehrlich informiert sind. Daher müssen wir es offen sagen: Um gemeinsam mehrere Tage auf einem Boot zu verbringen und eine schöne Zeit zu erleben, ist es ratsam, sich vorher gut zu kennen und zu mögen.

O.k, wir sind ins kalte Wasser gesprungen und hätten zudem gewarnt sein sollen aufgrund des vorab geführten Schriftverkehrs. Außerdem gab es von Bloggerin Ute eine vorherige Reiseerfahrung, bei der die bootblogger-Harmonie ebenfalls nicht vorhanden war und jede Mitreisende ihr Ding als Einzelgängerin durchzog. Der Selbstdarstellungs- und Wettbewerbsdruck muss in dieser Bloggerszene offenbar recht gross sein, so unser Eindruck. 

Nun denn, das LEBENSDOMIZILE WELTWEIT Redaktionsteam ist grundsätzlich optimistisch und tolerant, zudem sind wir Profis genug, diese wie jede andere Reise auch journalistisch ordentlich durchzuführen und eine gemachte Zusage zu 100% einzuhalten. Dies ist ja leider nicht bei allen Bloggern so, wie wir bereits im Vorfeld erfahren mussten. Bei manchen Unstimmigkeiten hilft leider auch kein zwischenzeitlich geführtes Manöverkritik-Gespräch mehr, um langfristig eine positive Veränderung herbei zu führen.

 

WoMosBoot  70Abendstimmung  LWonTourFrankreich

Tolle Kombi: Boot, Fahrrad & WoMo // Ruhige Abendstimmung // Lebensdomizile weltweit on tour

 

Schade für die Veranstalter, Organisatoren und Sponsoren, die sich entsprechend vorbereiten und finanzielle Vorleistungen erbringen. Es scheint so, als sehen manche Blogger oder Journalisten eine solche Reise eher als Urlaub statt als harte Arbeit an. Das Resultat ist dann eine realitätsverzerrende Schönschreiberei, die lediglich die nächste Einladung sicherstellen soll. Ein sich leider immer weiter verbreitendes Phänomen, was es Pressereise-Anbietern natürlich schwieriger macht.

Wir danken Marco Nöchel von #ueberallarbeiter und #bootblogger, FPP Travel in Frankfurt in Verbindung mit Les Canalous in Cognac und dem Vercharterer Ventelou in Oberhausen für die Gelegenheit, diese einwöchige Boots-Reise für und mit unserem Onlineportal LEBENSDOMIZILE WELTWEIT zu begleiten, unsere Sichtweise für die Generation 50plus darzustellen und auch das Thema „unterwegs arbeiten“ nochmals ausführlich zu beleuchten!

Wir wünschen allen, die diese oder ähnliche Touren planen, immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel und vor allem viel Spaß! Mit dem Boot zu fahren ist eine schöne und absolut empfehlenswerte Abwechslung zu anderen Reiseformen.

  

 

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Text: Petra Lupp / LEBENSDOMIZILE WELTWEIT 

Fotos: Martin Klug / LEBENSDOMIZILE WELTWEIT